
Prolongation: Was sie bedeutet, wie sie funktioniert – und wie du das Beste daraus holst
Deine Bank schickt dir das Prolongationsangebot – und du unterschreibst einfach. So machen es die meisten. Dabei kann genau dieser Moment über Tausende von Euro entscheiden. Dieser Artikel erklärt, was eine Prolongation ist, wie der Prozess Schritt für Schritt abläuft und – das ist der Teil, den die meisten Banken lieber weglassen – wie du aktiv bessere Konditionen herausholst.
Inhaltsverzeichnis
Was ist eine Prolongation? Definition einfach erklärt
Eine Prolongation ist die Verlängerung eines bestehenden Darlehens nach Ablauf der Zinsbindungsfrist beim selben Kreditinstitut. Dabei werden neue Konditionen – insbesondere der Zinssatz und gegebenenfalls der Tilgungssatz – für eine weitere Laufzeit vereinbart. Im Unterschied zur Umschuldung wechselst du dabei nicht die Bank.
Die Zinsbindungsfrist ist der Zeitraum, für den dein Zinssatz vertraglich festgeschrieben ist – typischerweise 5, 10 oder 15 Jahre. Wenn diese Frist ausläuft, ist dein Darlehen in den meisten Fällen noch nicht vollständig abbezahlt. Für den verbleibenden Betrag – die sogenannte Restschuld – brauchst du eine Anschlussfinanzierung. Die Prolongation ist dabei die einfachste Form: Du bleibst bei deiner aktuellen Bank und schließt einen neuen Kreditvertrag zu neuen Konditionen ab.
Den Begriff „Prolongation Hypothek" wirst du häufig hören, wenn es um grundpfandrechtlich gesicherte Immobiliendarlehen geht – also die klassische Baufinanzierung, bei der eine Grundschuld ins Grundbuch eingetragen ist. Gemeint ist dasselbe: die Verlängerung des Darlehens beim bisherigen Anbieter.
So läuft eine Prolongation ab – Schritt für Schritt
Der Ablauf einer Prolongation bei der Baufinanzierung ist überschaubar – das ist einer ihrer größten Vorteile. Du musst keinen Notar einschalten, keine Grundschuld neu eintragen lassen und deutlich weniger Unterlagen einreichen als bei einer Erstfinanzierung.
So läuft es typischerweise ab:
- Zinsbindung läuft in ca. 12 Monate ab: Du prüfst selbst, wann deine Zinsbindung endet – das steht in deinem Kreditvertrag. Jetzt ist der optimale Zeitpunkt, aktiv zu werden und Alternativen zu sondieren.
- Bank schickt Prolongationsangebot (ca. 3 Monate vor Ablauf): Die meisten Banken melden sich von sich aus mit einem konkreten Angebot. Manche tun das früher, manche erst sehr kurzfristig.
- Du prüfst das Angebot: Zinssatz, Laufzeit, Tilgungssatz, Restschuld – alles kontrollieren und mit aktuellen Marktkonditionen vergleichen.
- Du holst Vergleichsangebote ein: Andere Banken oder Vermittler anfragen, um zu sehen, was der Markt bietet. Das gibt dir Verhandlungsmacht.
- Du verhandelst (oder wechselst): Mit dem Angebot deiner Bank in die Verhandlung gehen – oder zur günstigeren Alternative wechseln (Umschuldung).
- Unterschrift und neuer Vertrag: Du unterschreibst den Prolongationsvertrag. Kein Notar, kein Grundbucheintrag, kein großer Papierkram.
Ein wichtiger Unterschied zur Umschuldung: Weil du bei deiner bisherigen Bank bleibst und die bestehende Grundschuld einfach weiterläuft, entfallen Notarkosten und Grundbuchgebühren komplett. Das spart in der Regel 0,5–1 % der Restschuld an Nebenkosten.
Das Prolongationsangebot der Bank – was drin stehen sollte
Das Prolongationsangebot ist im Grunde ein Kurzvertrag mit den wichtigsten Eckdaten. Was du darin findest und worauf du besonders achten musst:
- Neuer Sollzinssatz: Das ist die entscheidende Zahl. Vergleiche ihn mit aktuellen Marktangeboten – nicht nur grob, sondern konkret.
- Zinsbindungsdauer: Wie lange gilt der neue Zins? 5, 10 oder 15 Jahre haben sehr unterschiedliche Konsequenzen je nach Marktlage.
- Tilgungssatz: Wie viel tilgst du monatlich? Gerade hier lohnt es sich, neu zu justieren – mehr Tilgung bedeutet schnellere Entschuldung.
- Restschuld: Wie viel Kredit bleibt nach der Prolongation übrig? Stimmt dieser Betrag mit deinen eigenen Aufzeichnungen überein?
- Monatliche Rate: Ergibt sich aus Zinssatz, Tilgungssatz und Restschuld – kontrolliere die Berechnung.
Was viele nicht wissen: Das Angebot deiner Bank ist kein Preisschild, das man einfach akzeptiert. Es ist ein Einstieg in eine Verhandlung.
Welche Unterlagen brauchst du für die Prolongation?
Hier ist die gute Nachricht: Bei der Prolongation hält sich der Aufwand in engen Grenzen. Weil du bei deiner bestehenden Bank bleibst und sie deine finanzielle Situation bereits kennt, ist der Unterlagenbedarf deutlich geringer als bei einer Erstfinanzierung.
In den meisten Fällen läuft die Prolongation ohne umfangreiche Dokumentation ab – du unterschreibst schlicht den neuen Vertrag. Manche Banken verlangen jedoch:
- Aktuelle Gehaltsnachweise (letzte 2–3 Monate)
- Aktuelle Kontoauszüge
- Nachweis über bestehende Versicherungen (z. B. Wohngebäudeversicherung)
Eine vollständige Bonitätsprüfung wie bei einer Neuvergabe ist nicht der Standard – aber sie ist möglich, besonders wenn sich deine finanzielle Situation seit der Erstfinanzierung verändert hat. Im Zweifelsfall einfach beim Kundenberater nachfragen, was konkret benötigt wird.
Prolongation verhandeln: So holst du bessere Konditionen heraus
Das ist der Teil, den die meisten Banken dir nicht aktiv erklären. Dabei ist er der wichtigste: Du hast Verhandlungsmacht – und sie ist größer, als du vielleicht denkst.
Warum? Weil deine Bank ein Interesse daran hat, dich als Kunden zu behalten. Ein Wechsel zur Konkurrenz ist für sie teuer. Dieses Kräfteverhältnis kannst du nutzen.
Was ein Zinsunterschied in Euro bedeutet – ein Rechenbeispiel:
Rechenbeispiel: Angenommen, deine Restschuld beträgt 150.000 €, und du vereinbarst eine neue Zinsbindung von 10 Jahren. Deine Bank bietet dir 3,8 % Sollzins. Durch Vergleichsangebote und Verhandlung holst du 3,5 % heraus – ein Unterschied von 0,3 Prozentpunkten.
Bei 2 % anfänglicher Tilgung ergibt das:
- Bei 3,8 %: monatliche Rate ca. 725 €
- Bei 3,5 %: monatliche Rate ca. 688 €
Über 10 Jahre zahlst du bei 3,5 % rund 4.400 € weniger an Zinsen. Für ein Gespräch von vielleicht einer Stunde und das Einholen von zwei oder drei Vergleichsangeboten ist das eine sehr gute Rendite.
Die tatsächlichen Konditionen hängen von deiner Bonität, der Restschuld und der gewählten Zinsbindung ab. Nutze unseren Baufinanzierungsrechner als erste Orientierung, bevor du in die Verhandlung gehst.
Wann solltest du das Gespräch suchen?
Der optimale Zeitpunkt für die Prolongationsverhandlung liegt 6 bis 12 Monate vor Ablauf der Zinsbindung. Warum so früh?
Zu diesem Zeitpunkt bist du noch nicht unter Zeitdruck. Du kannst in Ruhe Vergleichsangebote einholen, Alternativen prüfen und von einer Position der Stärke aus verhandeln. Deine Bank weiß das – und ist entsprechend gesprächsbereit.
Wer hingegen erst drei Wochen vor Ablauf aktiv wird, hat kaum noch Alternativen. Eine Umschuldung ist in so kurzer Zeit kaum umsetzbar, und die Bank kennt deinen Zeitdruck. Das schwächt deine Verhandlungsposition erheblich.
Setz dir also schon heute einen Kalender-Reminder: Läuft deine Zinsbindung in weniger als 12 Monaten ab? Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, aktiv zu werden.
Mit Vergleichsangeboten verhandeln – so geht das
Vergleichsangebote sind dein stärkstes Werkzeug. So setzt du sie konkret ein:
- Angebote einholen: Wende dich an zwei bis drei andere Banken oder nutze einen unabhängigen Finanzierungsvermittler. Du brauchst dafür deine aktuelle Restschuld, die verbleibende Laufzeit und Grunddaten zur Immobilie.
- Vergleich aufbereiten: Halte die Konditionen schriftlich fest – Zinssatz, Laufzeit, monatliche Rate. Ein einfaches Dokument reicht.
- Gespräch mit deiner Bank suchen: Teile klar mit, dass du Vergleichsangebote vorliegen hast. Nenne konkrete Zahlen: „Ich habe ein Angebot über 3,5 % für 10 Jahre – was können Sie mir anbieten?"
- Nicht vorschnell zusagen: Lass dir die Antwort der Bank schriftlich geben und nimm dir Zeit für die Entscheidung.
- Tilgungssatz neu verhandeln: Nutze die Prolongation auch, um den Tilgungssatz anzupassen – mehr Tilgung, wenn es dein Budget erlaubt, verkürzt die Restlaufzeit und spart Zinsen.
Viele Banken reagieren auf konkrete Vergleichsangebote erstaunlich schnell mit einem verbesserten Angebot. Es lohnt sich fast immer, diesen Schritt zu gehen.
Prolongation oder Umschuldung – was ist die bessere Wahl?
Diese Frage stellt sich jeder, wenn die Zinsbindung ausläuft. Die ehrliche Antwort: Es kommt auf deinen Fall an. Aber mit den richtigen Kriterien ist die Entscheidung gar nicht so schwer.
| Kriterium | Prolongation | Umschuldung |
|---|---|---|
| Aufwand | Gering – kein Bankwechsel, wenige Unterlagen | Höher – neuer Kreditantrag, mehr Dokumente |
| Kosten/Gebühren | Keine Notar- oder Grundbuchkosten | Ca. 0,5–1 % der Restschuld (Notar, Grundbuch) |
| Bonitätsprüfung | Meist nicht nötig | Standard – neue Bank prüft vollständig |
| Zinsersparnis-Potenzial | Begrenzt (nur durch Verhandlung) | Höher – voller Wettbewerb am Markt |
| Zeitbedarf | Wenige Tage bis Wochen | 4–8 Wochen Vorlaufzeit einplanen |
| Grundschuldänderung | Nicht nötig | Ja – Grundschuld muss abgetreten oder neu eingetragen werden |
Wann lohnt sich die Prolongation?
Wenn der Zinsunterschied zwischen deiner Bank und dem Markt klein ist (unter 0,3 %), wenn du wenig Zeit hast oder wenn die verbleibende Restschuld so gering ist, dass die Umschuldungskosten den Zinsvorteil auffressen.
Wann lohnt sich die Umschuldung?
Wenn andere Banken deutlich günstigere Konditionen bieten und deine Restschuld noch hoch genug ist, dass sich die Wechselkosten amortisieren. Als Faustregel: Ab einem Zinsunterschied von ca. 0,3–0,5 % und einer Restschuld von über 100.000 € ist die Umschuldung fast immer einen genauen Blick wert.
Mehr dazu, wie eine Umschuldung konkret abläuft, erfährst du in unserem Artikel zur Baufinanzierung umschulden.
Alternativen zur Prolongation
Neben der Prolongation gibt es zwei weitere Wege, wenn deine Zinsbindung ausläuft – oder ausgelaufen ist. Beide haben ihre Berechtigung, je nach Situation.
Umschuldung – wenn der Wechsel sich lohnt
Bei der Umschuldung wechselst du deine gesamte Restschuld zu einer anderen Bank. Das Ziel ist einfach: bessere Konditionen. Weil du im vollen Wettbewerb agierst und jede Bank um dein Darlehen konkurrieren kann, ist das Zinsersparnis-Potenzial höher als bei der Prolongation.
Der Haken: Wechselkosten entstehen. Die bestehende Grundschuld – also die im Grundbuch eingetragene Sicherheit deiner Bank – muss entweder auf die neue Bank abgetreten oder neu eingetragen werden. Dazu kommt eine vollständige Bonitätsprüfung durch den neuen Anbieter.
Wie der Vergleich oben zeigt, rechnet sich das bei ausreichend großer Restschuld und klarem Zinsvorteil trotzdem. Plane mindestens 6–8 Wochen Vorlaufzeit ein.
Forward-Darlehen – Zinsen früh sichern
Ein Forward-Darlehen ist ein Darlehen, das du heute zu aktuellen Konditionen abschließt, aber erst in der Zukunft abrufst – typischerweise 12 bis 36 Monate vor Ablauf der aktuellen Zinsbindung. Du sicherst dir die heutigen Zinsen, zahlst aber noch keinen Cent.
Das ist besonders sinnvoll, wenn du erwartest, dass die Bauzinsen in den nächsten Jahren steigen werden. Der Preis dafür: ein kleiner Zinsaufschlag von in der Regel 0,01–0,02 Prozentpunkten pro Monat Vorlaufzeit.
Steigen die Zinsen tatsächlich, hast du gewonnen. Fallen sie, zahlst du mehr als nötig. Das Forward-Darlehen ist also eine Absicherungsstrategie, keine Rendite-Optimierung.
Prolongation beim KfW-Darlehen – das musst du wissen
Wer beim Hauskauf ein KfW-Darlehen genutzt hat, steht am Ende der Zinsbindung vor einer Besonderheit: KfW-Darlehen laufen oft parallel zur Bankfinanzierung, haben aber eigene Zinsbindungsfristen und eigene Prolongationsregeln.
Das Wichtigste zuerst: Bei KfW-Darlehen gibt es keinen klassischen Prolongationsprozess wie bei Bankdarlehen. Wenn die Zinsbindung endet, erhältst du von der KfW kein Verlängerungsangebot zu verhandelten Konditionen. Stattdessen wird das Darlehen in der Regel zu variablen Zinssätzen weitergeführt oder – je nach Programm – komplett endfällig gestellt.
Was das konkret bedeutet:
- Prüfe den Ablauftermin deines KfW-Darlehens im Kreditvertrag. Er weicht häufig vom Ablauf der Bankfinanzierung ab.
- Spreche frühzeitig mit deiner Hausbank über eine Übernahme oder Integration der verbleibenden KfW-Restschuld in die Anschlussfinanzierung. Das ist ein gangbarer Weg, der in der Praxis häufig genutzt wird.
- Verhandlungsspielraum gibt es bei der KfW selbst kaum – die Konditionen sind festgelegt. Den Hebel ansetzten kannst du hingegen bei der Hausbank, die das KfW-Darlehen in die Gesamtfinanzierung integriert.
- Förderberechtigung prüfen: Wenn du dein Haus inzwischen energetisch saniert hast, könntest du für neue KfW-Programme in Frage kommen – das kann die Anschlussfinanzierung günstig ergänzen.
Im Zweifelsfall lohnt sich ein Gespräch mit einem unabhängigen Finanzierungsberater, der beide Darlehen – Bankkredit und KfW – in einer Gesamtstrategie betrachtet.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Prolongation?
Hier ist ein konkreter Zeitplan, an dem du dich orientieren kannst:
12 Monate vor Ablauf: Jetzt aktiv werden. Vergleichsangebote einholen, Marktlage einschätzen, Forward-Darlehen prüfen, wenn du steigende Zinsen erwartest. Das ist dein maximales Handlungsfenster.
6 Monate vor Ablauf: Verhandlung mit der eigenen Bank aufnehmen. Du hast noch genug Zeit für eine Umschuldung, falls die Bank nicht mitgeht – das stärkt deine Position.
3 Monate vor Ablauf: Üblicherweise kommt jetzt das Prolongationsangebot der Bank. Nicht sofort unterschreiben – erst vergleichen.
6 Wochen vor Ablauf: Letzte Chance für eine Umschuldung. Alles Nötige läuft bereits, Entscheidung sollte gefallen sein.
Was passiert, wenn du gar nichts tust?
Das ist eine wichtige Frage, die viele Kreditnehmer nicht stellen. Die Antwort: Bei den meisten Banken wird das Darlehen nach Ablauf der Zinsbindung automatisch zu einem variablen Zinssatz weitergeführt. Variable Zinsen können deutlich über dem Marktniveau für Festzinsdarlehen liegen – und sie können monatlich schwanken. Das ist kein Sicherheitsnetz, sondern ein teures Provisorium.
Vorzeitige Prolongation ist bei manchen Banken bis zu 12 Monate vor Ablauf möglich, ohne dass ein Aufschlag fällig wird. Frag gezielt nach – manche Banken bieten das an, kommunizieren es aber nicht von sich aus.
Fazit
Eine Prolongation ist die einfachste Form der Anschlussfinanzierung – kein Bankwechsel, kein Notar, wenig Aufwand. Genau das ist ihr größter Vorteil, aber auch ihre versteckte Falle: Wer einfach unterschreibt, ohne zu verhandeln oder Alternativen zu prüfen, zahlt häufig mehr als nötig.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Früh aktiv werden: 6 bis 12 Monate vor Ablauf der Zinsbindung ist der ideale Zeitpunkt.
- Vergleichsangebote einholen: Sie sind dein stärkstes Verhandlungsmittel.
- Prolongation und Umschuldung abwägen: Ab ca. 0,3–0,5 % Zinsunterschied und ausreichend hoher Restschuld kann die Umschuldung trotz Wechselkosten günstiger sein.
- Nicht nichts tun: Eine automatische Weiterführung zu variablen Zinsen ist selten die beste Option.
Wenn du weißt, wann deine Zinsbindung ausläuft, hast du alle Karten in der Hand. Nutze unseren Baufinanzierungsrechner, um eine erste Orientierung zu bekommen – und dann geh mit konkreten Zahlen in das Gespräch mit deiner Bank.
Stand: Mai 2026. Rechtliche Rahmenbedingungen und Marktkonditionen können sich ändern.
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