
Sondertilgung: Wann sie sich wirklich lohnt – und wann nicht

Dr. Marc Rustige
Dr. Marc Rustige ist Co-Founder von Justhome. Seit über 10 Jahren beschäftigt er sich mit der Immobilienkauf und -verkauf im digitalen Zeitalter. Als promovierter Betriebswirt ist dabei insbesondere die Immobilienfinanzierung sein Interessengebiet.
8. Juli 2026Aktualisiert vor etwa 1 StundeLesezeit: 14 Min.
1.000 Euro Sondertilgung können dir – je nach Zeitpunkt und Zins – bis zu 2.000 Euro Zinskosten sparen. Oder sie bringen dir kaum mehr als ein gutes Tagesgeldkonto. Ob sich eine Sondertilgung in deiner Baufinanzierung lohnt, hängt von drei konkreten Faktoren ab: deinem Kreditzins, dem erzielbaren Sparzins und dem Zeitpunkt in deiner Laufzeit. Dieser Artikel führt dich durch genau diese drei Faktoren – und am Ende kannst du eine klare Entscheidung für deine Situation treffen.
Kurz zusammengefasst:
- Eine Sondertilgung lohnt sich, wenn dein Kreditzins höher ist als der Zinssatz, den du mit Sparen oder Anlegen erzielen kannst.
- Je früher in der Laufzeit du sondertilgst, desto mehr Zinsen sparst du.
- Prüfe zuerst deinen Vertrag: Nicht jedes Darlehen erlaubt kostenlose Sondertilgungen.
- Halte immer einen Notgroschen zurück – das Geld ist nach der Tilgung gebunden.
- Die Entscheidung lässt sich in drei Schritten treffen: Vertragscheck → Rendite-Vergleich → Timing-Check.
Rechne deine persönliche Ersparnis direkt aus: Mit dem Tilgungsrechner von Justhome siehst du sofort, wie stark sich eine Sondertilgung auf Zinskosten und Laufzeit auswirkt. Wenn du dein gesamtes Finanzierungsszenario prüfen willst, hilft dir zusätzlich der Baufinanzierungsrechner von Justhome.
Inhaltsverzeichnis
Was ist eine Sondertilgung?
Eine Sondertilgung ist eine freiwillige Extrazahlung auf dein Darlehen, die zusätzlich zu deiner regulären Monatsrate geleistet wird. Während deine monatliche Rate vertraglich festgelegt ist, kannst du eine Sondertilgung nach Belieben leisten – vorausgesetzt, dein Vertrag erlaubt es.
Technisch funktioniert sie so: Die Sondertilgung wird direkt mit deiner Restschuld verrechnet. Das senkt den Betrag, auf den deine Bank künftig Zinsen berechnet – und damit sinken auch deine Zinskosten in allen folgenden Perioden.
Das Sondertilgungsrecht bezeichnet die vertragliche Vereinbarung, die dir diese Möglichkeit einräumt – meist bis zu 5 oder 10 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr. Die Sollzinsbindung ist die Zinsbindungsdauer deines Darlehens – also der Zeitraum, für den dein Zinssatz festgeschrieben ist und innerhalb dessen du an bestimmte Regeln gebunden bist.
Mehr zum Zusammenspiel von Zinsbindung und Laufzeit findest du in unserem Erklärartikel.
Wann lohnt sich eine Sondertilgung?
Eine Sondertilgung lohnt sich, wenn dein Kreditzins über dem erzielbaren Netto-Sparzins liegt und du noch früh in der Darlehenslaufzeit bist. Jeder getilgte Euro bringt dir eine garantierte, steuerfreie „Rendite" in Höhe deines Kreditzinses. Je höher der Zins und je mehr Restlaufzeit übrig ist, desto größer fällt die Zinsersparnis aus. Voraussetzung: Du hast einen ausreichenden Notgroschen und brauchst das Geld nicht kurzfristig.
Wie sinnvoll ist eine Sondertilgung?
Eine Sondertilgung ist sinnvoll, wenn dein Kreditzins höher ist als der Zinssatz, den du durch Sparen oder Anlegen erzielen kannst. Jeder getilgte Euro bringt dir eine garantierte, steuerfreie „Rendite" in Höhe deines Kreditzinses – das ist oft attraktiver als Tagesgeld oder Festgeld nach Steuerabzug. Bei hohen Kreditzinsen ist die Entscheidung fast immer eindeutig.
Die Antwort ist aber keine Einheitsgröße – sie hängt davon ab, wie hoch dein Zinssatz ist und welche Alternativen dir zur Verfügung stehen. Die folgenden drei Abschnitte schlüsseln das konkret auf.
Was sagt der Zinseffekt?
Der Mechanismus hinter einer Sondertilgung ist einfach: Du reduzierst die Restschuld, auf die deine Bank Zinsen berechnet. Und das setzt sich über die gesamte verbleibende Laufzeit fort.
Ein Zahlenbeispiel macht das greifbar: Bei einer Restschuld von 200.000 € und einem Zinssatz von 3,5 % zahlst du im ersten Jahr rund 7.000 € Zinsen. Leistest du eine Sondertilgung von 10.000 €, sinkt die Restschuld auf 190.000 €. Im nächsten Jahr zahlst du nur noch rund 6.650 € Zinsen – das sind 350 € weniger allein im ersten Jahr. Über mehrere Jahre kumuliert sich dieser Effekt deutlich.
Entscheidend ist dabei: Je höher der Zinssatz, desto größer ist die absolute Ersparnis pro getilgtem Euro.
Lohnt sich eine Sondertilgung bei niedrigen Zinsen?
In der Niedrigzinsphase bis 2022 lagen Baudarlehen oft bei 1–2 % Sollzins. Bei einem Kreditzins von 1,5 % bringt eine Sondertilgung von 10.000 € im ersten Jahr gerade einmal 150 € Zinseinsparung – das ist wenig.
In diesem Szenario war die Rechnung oft umgekehrt: Wer sein Kapital in ETFs oder auf Tagesgeldkonten anlegte, erzielte häufig eine höhere Rendite als der Kreditzins. Die Daumenregel: Wenn dein erzielbarer Netto-Sparzins den Kreditzins übersteigt, ist Anlegen die rationale Wahl.
Das bedeutet nicht, dass eine Sondertilgung bei niedrigen Zinsen falsch ist – sie hat auch emotionalen und sicherheitspolitischen Wert. Aber rein rechnerisch ist der Vorteil gering.
Lohnt sich eine Sondertilgung bei hohen Zinsen?
Bei Kreditzinsen ab 3,5 % – wie sie seit 2022 wieder verbreitet sind – sieht die Rechnung anders aus. Eine Sondertilgung bei 4 % Zins entspricht einer risikofreien Rendite von 4 % auf jeden getilgten Euro. Das übertrifft viele Tagesgeldangebote nach Steuern und ist dabei vollkommen risikolos.
Das ist eine der wenigen wirklich sicheren Geldentscheidungen, die du treffen kannst. Du weißt genau, was du sparst – und das Geld ist nicht den Schwankungen des Kapitalmarkts ausgesetzt.
Wann ist es sinnvoll, Sondertilgungen zu leisten?
Sondertilgungen sind sinnvoll, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Dein Kreditzins liegt über dem erzielbaren Sparzins, du bist noch früh in der Laufzeit mit hohem Zinsanteil in deiner Rate, und du hast einen ausreichenden Notgroschen – das Geld wird nach der Tilgung nicht mehr kurzfristig verfügbar sein.
Diese 3 Bedingungen sollten erfüllt sein
Bevor du überweist, hak diese drei Punkte kurz ab:
-
Dein Kreditzins ist höher als dein erzielbarer Sparzins.
Das ist die wichtigste Bedingung. Vergleiche deinen Darlehenszins mit dem, was du nach Steuern auf Tagesgeld, Festgeld oder anderen Anlagen erzielen kannst. Ist dein Kreditzins höher, ist Sondertilgen effizienter als Sparen. -
Du bist noch früh in der Laufzeit.
Am Anfang deines Darlehens besteht deine Monatsrate zu einem großen Teil aus Zinsen. Eine Sondertilgung senkt die Restschuld, auf die diese Zinsen anfallen – und das wirkt sich auf alle künftigen Monate aus. Je früher du tilgst, desto mehr Monate profitieren davon. -
Du hast einen Notgroschen und brauchst das Geld nicht kurzfristig.
Einmal getilgtes Geld ist weg – zumindest bis zur nächsten Anschlussfinanzierung. Halte immer eine Liquiditätsreserve von mindestens zwei bis drei Nettogehältern zurück, bevor du eine Sondertilgung leistest.
Wann im Jahr ist eine Sondertilgung am sinnvollsten?
Der beste Zeitpunkt für eine Sondertilgung ist so früh wie möglich – sowohl in der Gesamtlaufzeit als auch innerhalb des laufenden Jahres. Je früher das Geld auf die Restschuld angerechnet wird, desto mehr Zinsen sparst du in den folgenden Monaten.
Anfang oder Ende des Jahres?
Viele denken erst am Jahresende an die Sondertilgung – etwa wenn ein Bonus ausgezahlt wird oder die Frist abläuft. Rein rechnerisch ist eine Sondertilgung am Jahresanfang aber besser: Das Geld wird sofort auf die Restschuld angerechnet und senkt die Zinsen für die gesamten verbleibenden Monate des Jahres.
Ein Beispiel: Überweist du 10.000 € im Januar statt im Dezember, sparst du bei 3,5 % Kreditzins im laufenden Jahr rund 320 € mehr an Zinsen. Klingt nach einem kleinen Unterschied – aber über mehrere Jahre summiert sich das.
Wenn du das Geld erst im Laufe des Jahres ansparst, ist das kein Problem. Dann überweise, sobald die Summe bereitsteht. Der zweitbeste Zeitpunkt ist immer jetzt.
Wie oft im Jahr kannst du sondertilgen?
Das hängt von deinem Vertrag ab. Manche Verträge erlauben nur eine einzige Sondertilgung pro Kalenderjahr, andere ermöglichen mehrere Zahlungen bis zur jährlichen Obergrenze. Schau in deinen Darlehensvertrag oder frag direkt bei deiner Bank nach.
Falls dein Vertrag mehrere Zahlungen erlaubt, kann es sinnvoll sein, unterjährig in kleineren Beträgen sonderzutilgen – zum Beispiel halbjährlich oder quartalsweise. So reduzierst du die Restschuld schrittweise und profitierst früher vom Zinseffekt, statt das gesamte Geld bis Jahresende auf dem Konto liegen zu lassen.
Wann ist der beste Zeitpunkt in der Laufzeit?
Eine Sondertilgung wirkt am stärksten in den ersten ein bis drei Jahren deiner Darlehenslaufzeit. In dieser Phase ist der Zinsanteil deiner monatlichen Rate am höchsten, und jede Reduktion der Restschuld senkt deine Zinslast über eine besonders lange verbleibende Laufzeit.
Eine Sondertilgung kurz vor Ende der Zinsbindung ist zwar nicht wirkungslos, aber deutlich weniger effektiv als dieselbe Summe am Anfang.
Warum früh tilgen mehr bringt
Schauen wir uns das konkret an. Angenommen, du hast ein Darlehen über 200.000 € bei 3,5 % Sollzins und 2 % anfänglicher Tilgung (monatliche Rate ca. 900 €):
| Ohne Sondertilgung | Sondertilgung im Jahr 1 | Sondertilgung im Jahr 8 | |
|---|---|---|---|
| Sondertilgungsbetrag | – | 10.000 € | 10.000 € |
| Restschuld nach 10 Jahren | ca. 172.000 € | ca. 158.000 € | ca. 162.000 € |
| Zinsen gespart (bis Jahr 10) | – | ca. 4.800 € | ca. 1.400 € |
| Laufzeitverkürzung (geschätzt) | – | ca. 2,5 Jahre | ca. 0,8 Jahre |
Rechenbeispiel zur Orientierung. Tatsächliche Werte hängen von Zinssatz, Tilgungsrate und genauen Konditionen ab.
Dieselbe Summe – einmal früh, einmal spät – macht einen Unterschied von über 3.000 € Zinseinsparung und fast zwei Jahren Laufzeit. Das ist der „Aha-Moment" beim Thema Timing.
Mit dem Tilgungsrechner von Justhome kannst du genau nachrechnen, wie viel du durch eine Sondertilgung in deiner konkreten Situation sparst.
Wie viel Geld spare ich durch eine Sondertilgung?
Als Faustformel gilt: Bei 3,5 % Kreditzins spart eine Sondertilgung von 10.000 € im ersten Jahr ca. 350 € Zinsen. Über die gesamte verbleibende Laufzeit ist der Effekt deutlich größer, weil die niedrigere Restschuld sich durch alle Folgejahre zieht und gleichzeitig die Laufzeit verkürzt wird.
Beispielrechnung: Mit und ohne Sondertilgung im Vergleich
Konkrete Ausgangsdaten: Darlehen 200.000 €, Sollzins 3,5 %, anfängliche Tilgung 2 %, Sollzinsbindung 10 Jahre.
| Kennzahl | Ohne Sondertilgung | Mit 10.000 € Sondertilgung im Jahr 1 |
|---|---|---|
| Monatliche Rate | ca. 900 € | ca. 900 € (unverändert) |
| Restschuld nach 10 Jahren | ca. 172.000 € | ca. 158.000 € |
| Gezahlte Zinsen in 10 Jahren | ca. 57.500 € | ca. 52.700 € |
| Zinsen gespart | – | ca. 4.800 € |
| Geschätzte Gesamtlaufzeit | ca. 27 Jahre | ca. 24,5 Jahre |
| Laufzeitverkürzung | – | ca. 2,5 Jahre |
Rechenbeispiel. Tatsächliche Werte hängen von Zinssatz, genauen Konditionen und der Abrechnungsmethode deiner Bank ab.
Das sind keine abstrakten Zahlen – das ist echtes Geld in deiner Tasche. Rund 4.800 € Zinsen gespart und zweieinhalb Jahre früher schuldenfrei: Das ist der Effekt einer einzigen Sondertilgung von 10.000 € im ersten Jahr. Und das alles ohne zusätzliches Risiko.
So überweist du deine Sondertilgung
Viele wissen, dass sich eine Sondertilgung lohnt – aber sind unsicher, wie sie die Zahlung konkret durchführen. Hier ist die Schritt-für-Schritt-Anleitung:
1. Vertrag und Fristen prüfen
Schau in deinem Darlehensvertrag nach, bis zu welchem Stichtag die Sondertilgung im laufenden Kalenderjahr eingehen muss. Häufig ist das der 31. Dezember, manche Banken setzen aber auch den 30. November oder ein anderes Datum als Frist. Außerdem steht dort, ob du den Betrag vorher ankündigen musst.
2. Kontakt zur Bank aufnehmen
Bei einigen Banken reicht eine einfache Überweisung auf das Darlehenskonto. Andere verlangen, dass du die Sondertilgung vorher schriftlich ankündigst – per Online-Banking, E-Mail oder über ein Formular im Kundenportal. Frag im Zweifel kurz nach, damit deine Zahlung korrekt als Sondertilgung verbucht wird und nicht als reguläre Ratenzahlung.
3. Verwendungszweck angeben
Trage im Überweisungsformular immer deine Darlehensnummer ein und vermerke „Sondertilgung" im Verwendungszweck. So stellst du sicher, dass die Bank das Geld richtig zuordnet.
4. Eingang bestätigen lassen
Nach der Überweisung solltest du prüfen, ob die Sondertilgung korrekt auf dein Darlehenskonto gebucht wurde. In den meisten Online-Banking-Portalen siehst du das innerhalb weniger Tage. Fordere bei Bedarf einen neuen Tilgungsplan an – so hast du schwarz auf weiß, wie sich Restschuld und Laufzeit verändert haben.
5. Neuen Tilgungsplan anfordern
Nach der Sondertilgung erstellt deine Bank in der Regel einen aktualisierten Tilgungsplan. Daraus erkennst du die neue Restschuld, die angepasste Restlaufzeit und die Zinsersparnis. Falls das nicht automatisch passiert, frag aktiv danach.
Was ist besser: Sondertilgung oder Sparen?
Ist dein Kreditzins höher als dein Sparzins nach Steuern, ist Sondertilgen die bessere Wahl – weil du eine garantierte, steuerfreie Rendite in Höhe deines Kreditzinses erzielst. Ist eine Geldanlage rentabler als dein Kreditzins, spricht die Rendite für das Investieren. In beiden Fällen gilt: Erst einen Notgroschen sichern, dann entscheiden.
Die Daumenregel: Kreditzins vs. Sparzins
Jede Sondertilgung erzielt eine garantierte und steuerfreie „Rendite" in Höhe deines Kreditzinses. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber Sparanlagen.
Zum Vergleich: Tagesgeldkonten bieten je nach Anbieter und Marktlage unterschiedliche Zinssätze – und diese Zinserträge unterliegen der Abgeltungssteuer (25 % zzgl. Solidaritätszuschlag). Ein Tagesgeldkonto mit 3,0 % Bruttoverzinsung bringt nach Steuer nur noch ca. 2,2 % Netto-Rendite.
Rechenbeispiel: Kreditzins 3,5 % vs. Tagesgeld 3,0 % brutto (= ca. 2,2 % netto). In diesem Fall lohnt sich die Sondertilgung deutlich mehr – du sparst 3,5 % auf sicher, statt 2,2 % auf dem Tagesgeldkonto zu verdienen.
Die tatsächlichen Konditionen hängen von deinem Freistellungsauftrag, deinem persönlichen Steuersatz und aktuellen Marktangeboten ab.
Sondertilgung oder Festgeld – aktuelle Einordnung
Festgeld bietet in der Regel etwas höhere Zinsen als Tagesgeld, bindet dein Kapital aber für einen festen Zeitraum. Das ändert nichts an der Grundlogik: Auch Festgeldzinsen sind steuerpflichtig und müssen nach Steuer mit deinem Kreditzins verglichen werden.
Zudem ist Festgeld nicht flexibel – du kommst vor Fälligkeit meist nicht an dein Geld. Sondertilgung schlägt Festgeld also doppelt: durch die steuerfreie Rendite und durch die Schuldenreduktion.
Sondertilgung oder ETF-Sparplan?
Langfristig erzielen breit gestreute ETFs historisch Renditen von 6–8 % pro Jahr – das liegt über den meisten Kreditzinsen. Auf dem Papier könnte also der ETF-Sparplan besser sein.
Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Garantie vs. Erwartungswert. Die Sondertilgung spart dir den Kreditzins mit 100-prozentiger Sicherheit. Der ETF-Sparplan schwankt – gute Jahre, schlechte Jahre. Wer nicht bereit ist, Kursschwankungen auszuhalten, oder wer in 5–7 Jahren ans Ziel kommen muss, fährt mit Sondertilgung oft ruhiger.
Die pragmatische Lösung: Nutze beide. Leiste Sondertilgungen, wenn dein Kreditzins hoch ist und du Sicherheit suchst. Investiere in ETFs parallel, wenn dein Anlagehorizont lang genug ist und du mit Schwankungen umgehen kannst.
Wie hoch darf und sollte die Sondertilgung sein?
Typische Vertragsgrenzen (5 % / 10 %)
Die meisten Baufinanzierungsverträge erlauben Sondertilgungen von 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr – manche auch 10 %. Bei einem Darlehen über 200.000 € wären das also 10.000 € bzw. 20.000 € pro Jahr, die du zusätzlich tilgen kannst, ohne dass die Bank eine Gebühr verlangt.
Wichtig: Nicht ausgeschöpfte Sondertilgungsmöglichkeiten verfallen in der Regel zum Jahresende. Einige Verträge erlauben eine Kumulation auf das Folgejahr – das solltest du gezielt im Vertrag prüfen.
Gibt es eine Mindestsumme?
Bei vielen Banken gibt es keine vertragliche Mindestsumme für eine Sondertilgung – du kannst theoretisch auch 500 € oder 1.000 € sondertilgen. Manche Banken setzen jedoch eine Untergrenze, zum Beispiel 1.000 € oder 2.500 €, um den Verwaltungsaufwand gering zu halten.
Ein Blick in deinen Vertrag klärt das schnell. Grundsätzlich gilt: Auch kleinere Sondertilgungen bringen etwas – besonders wenn du sie regelmäßig leistest und noch früh in der Laufzeit bist.
Was passiert, wenn du mehr tilgen willst?
Möchtest du mehr als vertraglich erlaubt zurückzahlen, kann die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Das ist eine Gebühr, die der Bank die entgangenen Zinseinnahmen ausgleicht. Diese Entschädigung kann erheblich sein und den Zinsvorteil deiner Sondertilgung schnell aufzehren.
Ausnahme: Läuft dein Darlehen bereits seit zehn Jahren, hast du nach § 489 BGB ein kostenloses Sonderkündigungsrecht – du kannst das Darlehen dann mit einer Frist von sechs Monaten vollständig zurückzahlen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Das ist ein oft unterschätztes Recht, das sich besonders dann lohnt, wenn die aktuellen Zinsen günstiger sind als dein ursprünglicher Zins. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel Wann komme ich aus dem Kredit raus?.
Sondertilgung bei KfW-Darlehen
Bei KfW-Darlehen gelten besondere Regeln. Anders als bei vielen Bankdarlehen sind kostenlose Sondertilgungen bei KfW-Förderkrediten in der Regel nicht vorgesehen. Wenn du ein KfW-Darlehen vorzeitig – ganz oder teilweise – zurückzahlen willst, kann die KfW eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.
Es gibt allerdings eine Ausnahme: Auch bei KfW-Darlehen gilt das Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB nach zehn Jahren Laufzeit. In diesem Fall kannst du das Darlehen mit sechs Monaten Frist kündigen, ohne eine Entschädigung zahlen zu müssen.
Wenn du neben deinem KfW-Darlehen ein reguläres Bankdarlehen mit Sondertilgungsrecht hast, ist es in der Regel sinnvoller, die Sondertilgung zuerst auf das Bankdarlehen zu leisten – vorausgesetzt, beide haben einen ähnlichen Zinssatz. So nutzt du die Flexibilität dort, wo sie dir kostenfrei zur Verfügung steht.
Sondertilgung oder vorzeitige Ablösung – Vorfälligkeitsentschädigung verstehen
Sondertilgung und vorzeitige Darlehensablösung klingen ähnlich, sind aber zwei verschiedene Dinge – mit unterschiedlichen finanziellen Folgen.
Was ist der Unterschied?
Eine Sondertilgung ist eine vertraglich erlaubte Extrazahlung innerhalb der vereinbarten Grenzen (z. B. 5 % oder 10 % pro Jahr). Dafür fällt keine Gebühr an. Du reduzierst deine Restschuld schrittweise, behältst aber den laufenden Darlehensvertrag.
Eine vorzeitige Ablösung bedeutet, dass du das gesamte Darlehen vor Ende der Zinsbindung zurückzahlst – oder mehr tilgst als vertraglich erlaubt. In diesem Fall verliert die Bank die kalkulierten Zinseinnahmen und darf eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.
Was kostet eine vorzeitige Ablösung?
Die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung hängt von mehreren Faktoren ab: der Restschuld, dem Zinssatz, der verbleibenden Zinsbindung und dem aktuellen Marktzinsniveau. In der Praxis können das mehrere tausend Euro sein – in manchen Fällen sogar fünfstellige Beträge.
Bevor du dein Darlehen vorzeitig ablöst, solltest du die Kosten genau berechnen lassen und prüfen, ob die Gesamtersparnis (z. B. durch einen günstigeren Anschlusskredit) die Entschädigung übersteigt. Mehr dazu findest du in unserem Artikel zur Vorfälligkeitsentschädigung und ihren Kosten.
Wann entfällt die Vorfälligkeitsentschädigung?
Die Vorfälligkeitsentschädigung entfällt in zwei wichtigen Fällen:
- Nach zehn Jahren Laufzeit: Gemäß § 489 BGB kannst du dein Darlehen mit sechs Monaten Kündigungsfrist ablösen – komplett kostenlos.
- Sondertilgung innerhalb der vertraglichen Grenzen: Solange du die vereinbarten Prozentsätze nicht überschreitest, fallen keine Gebühren an.
Die Faustformel lautet also: Nutze zuerst die vertraglichen Sondertilgungsrechte voll aus. Erst wenn du darüber hinaus tilgen willst und die Zehn-Jahres-Grenze noch nicht erreicht hast, wird die Vorfälligkeitsentschädigung zum Thema.
Kostet das Sondertilgungsrecht extra?
Nicht immer – aber oft. Viele Banken bieten Sondertilgungsrechte von 5 % pro Jahr standardmäßig ohne Aufpreis an. Für höhere Sätze (10 % oder mehr) oder besonders flexible Konditionen verlangen sie manchmal einen Zinsaufschlag von 0,1 bis 0,3 Prozentpunkten auf den Sollzins.
Lohnt sich der Zinsaufschlag?
Das lässt sich mit einer einfachen Gegenrechnung klären.
Rechenbeispiel: Du nimmst ein Darlehen über 200.000 € auf. Die Bank bietet dir ein 10-%-Sondertilgungsrecht für einen Zinsaufschlag von 0,15 Prozentpunkten. Das kostet dich bei 200.000 € Restschuld zunächst 300 € mehr Zinsen pro Jahr.
Nutzt du das Recht aus und tilgst 20.000 € im ersten Jahr, sparst du durch die Zinsreduktion auf die verringerte Restschuld deutlich mehr als 300 € pro Jahr – der Aufschlag amortisiert sich schnell.
Nutzt du das Sondertilgungsrecht nicht, zahlst du den Aufschlag umsonst.
Faustregel: Kaufe das Sondertilgungsrecht nur, wenn du es realistisch einsetzen wirst. Wenn du regelmäßig Boni, Erbschaften oder Rücklagen erwartest, ist der Aufpreis meist gut investiert. Wenn du nicht vorhast zu sondertilgen, spare dir den Aufschlag.
Checkliste: So gehst du bei der Sondertilgung vor
Hier sind die fünf Schritte, die du jetzt konkret angehen kannst:
- Vertrag prüfen: Schau nach, ob und in welcher Höhe Sondertilgungen erlaubt sind (5 % oder 10 % der Darlehenssumme pro Jahr). Pr
Wie viel sparst du durch eine Sondertilgung?
Berechne jetzt, wie stark eine Sondertilgung deine Zinskosten senkt und deine Laufzeit verkürzt.







