
Altbausanierung Kosten: Was wirklich auf dich zukommt – mit Tabellen, Praxisbeispielen und Fördercheck

Dr. Marc Rustige
Dr. Marc Rustige ist Co-Founder von Justhome. Seit über 10 Jahren beschäftigt er sich mit der Immobilienkauf und -verkauf im digitalen Zeitalter. Als promovierter Betriebswirt ist dabei insbesondere die Immobilienfinanzierung sein Interessengebiet.
1. Juni 2026Aktualisiert vor etwa 11 StundenLesezeit: 12 Min.
Eine Altbausanierung kostet zwischen 500 und 1.500 Euro pro Quadratmeter – und diese Spanne ist kein Rechenfehler, sondern Realität. Der Teufel steckt im Bestand: Was hinter Verkleidungen, unter Bodenbelägen und in alten Leitungen wartet, zeigt sich oft erst, wenn die Arbeiten laufen. Drei Faktoren bestimmen, wo du in dieser Spanne landest: das Baujahr und der Ausgangszustand des Gebäudes, die Tiefe der geplanten Sanierung und die energetischen Anforderungen – ob freiwillig oder gesetzlich vorgeschrieben. In diesem Artikel findest du konkrete Kostentabellen nach Gewerk und Baujahr, ein ehrliches Kapitel zu versteckten Kosten, einen Überblick über Förderung und Finanzierung, eine Checkliste für den Altbaukauf und eine Entscheidungshilfe, wann sich Sanieren gegenüber Neubau lohnt.
Inhaltsverzeichnis
Was kostet eine Altbausanierung? Der ehrliche Überblick
Eine Altbausanierung kostet je nach Umfang zwischen 200 und 1.500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei einer Teilsanierung einzelner Gewerke sind es typischerweise 200–500 €/m², bei einer umfassenden Sanierung 500–800 €/m² und bei einer Kernsanierung 800–1.500 €/m². Entscheidend sind Baujahr, Zustand und energetische Anforderungen.
Bevor wir in die Zahlen einsteigen, lohnt sich eine Begriffsklärung – denn in Angeboten und Beratungsgesprächen werden diese Begriffe oft durcheinandergeworfen:
- Renovierung: Optische Auffrischung ohne Eingriff in die Substanz (Streichen, Tapezieren, neuer Bodenbelag). Keine Wertverbesserung im technischen Sinne.
- Modernisierung: Technische Verbesserung des Gebäudes, die den Wohnwert erhöht (neue Heizung, Badezimmersanierung). Teilweise förderfähig.
- Sanierung: Beseitigung von Mängeln und Schäden, um den bestimmungsgemäßen Zustand wiederherzustellen. Kann einzelne Gewerke oder das gesamte Gebäude umfassen.
- Kernsanierung: Das Gebäude wird bis auf die tragende Konstruktion entkernt und vollständig neu aufgebaut – technisch entspricht das einem Neubau im Bestandsmantel. Dieser Begriff wird häufig falsch verwendet, wenn eigentlich eine umfassende Sanierung gemeint ist.
Die drei Sanierungsstufen im Vergleich
| Sanierungsstufe | Typische Maßnahmen | Kosten pro m² | Gesamtkosten (120 m² EFH) | Projektdauer |
|---|---|---|---|---|
| Teilsanierung | Einzelne Gewerke: Dach ODER Heizung ODER Bad | 200–500 €/m² | 24.000–60.000 € | 2–8 Wochen |
| Umfassende Sanierung | Mehrere Gewerke: Hülle + Heizung + Innenausbau | 500–800 €/m² | 60.000–96.000 € | 3–9 Monate |
| Kernsanierung | Entkernung bis auf Rohbau, kompletter Neuaufbau | 800–1.500 €/m² | 96.000–180.000 € | 9–18 Monate |
Welcher Typ bist du? Wenn du ein Haus kaufst, das bewohnbar ist und nur punktuelle Schwächen hat, bist du meist in der Teilsanierung. Wenn du ein Objekt aus den 1960er oder 1970er Jahren grundlegend modernisieren willst, landest du in der Regel bei der umfassenden Sanierung. Die echte Kernsanierung ist selten – und wird im Kostenalltag häufiger angekündigt als tatsächlich durchgeführt.
Diese Tabellenwerte sind Ausgangspunkte. Was genau in deinem Fall die Kosten nach oben oder unten treibt, zeigt der nächste Abschnitt.
Was beeinflusst die Kosten am stärksten?
Zwei Häuser, gleiches Baujahr, gleiche Größe – und trotzdem 100.000 Euro Unterschied im Sanierungsbudget. Das klingt absurd, ist aber keine Seltenheit. Vier Faktoren erklären das:
1. Baujahr und Ausgangszustand
Ein Gründerzeitler mit massivem Mauerwerk kann trotz seines Alters eine solide Substanz haben. Ein Nachkriegsbau mit einfachen Konstruktionen und vernachlässigtem Unterhalt kann dagegen deutlich aufwändiger sein. Faustregel: Je schlechter der Pflegezustand, desto mehr Überraschungen warten hinter Verkleidungen.
2. Energetische Zielvorgabe
Wer freiwillig auf Effizienzhaus-55-Standard (EH 55, d.h. das Gebäude verbraucht höchstens 55% der Energie eines vergleichbaren Neubaus nach Referenzstandard) saniert, gibt mehr aus als jemand, der nur das gesetzliche Minimum erfüllt. Der Unterschied kann bei einer 120-m²-Immobilie leicht 30.000–50.000 Euro betragen – wird aber durch deutlich höhere Förderung und geringere Heizkosten teilweise kompensiert.
3. Regionale Handwerkerpreise
Zwischen München und einer ländlichen Region in Sachsen-Anhalt können Handwerkerleistungen um 30–40% differieren. Hinzu kommt: In Ballungsräumen sind Kapazitäten knapper, was die Preise weiter nach oben drückt. Plane zudem ausreichend Vorlaufzeit ein – Wartezeiten von sechs bis zwölf Monaten auf Handwerkertermine sind in vielen Regionen aktuell keine Ausnahme.
4. Eigenleistung vs. Vollvergabe
Wer handwerklich geschickt ist und Zeit mitbringt, kann durch Eigenleistung bei einfachen Arbeiten 10–20% der Gesamtkosten einsparen. Konkret geht das bei: Abrissarbeiten (alte Fliesen rausreißen, Rigips abbauen, Bodenbelag entfernen), Malerarbeiten und einfachen Reinigungsarbeiten. Bei technischen Gewerken wie Elektrik, Heizung oder Statik ist Eigenleistung keine Option – hier sind Fachbetriebe gesetzlich vorgeschrieben oder zwingend notwendig für die Förderung.
Altbausanierung Kosten nach Gewerk: Was welche Maßnahme kostet
Hier findest du, was die wichtigsten Einzelmaßnahmen typischerweise kosten – damit du Angebote einordnen und Prioritäten setzen kannst.
| Gewerk / Maßnahme | Einheit | Kostenbandbreite | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Dach (Neueindeckung) | €/m² Dachfläche | 80–200 € | Inkl. Dämmung 150–300 €/m² |
| Fassade / Außendämmung (WDVS = Wärmedämmverbundsystem) | €/m² Fassadenfläche | 80–180 € | Je nach Dämmstärke und Putz |
| Fenster & Außentüren | €/Einheit | 800–2.500 € | Inkl. Einbau; Holz teurer als Kunststoff |
| Heizung (Gaskessel-Tausch) | Pauschal | 8.000–15.000 € | |
| Heizung (Wärmepumpe) | Pauschal | 15.000–30.000 € | Vor Dämmung ungünstig |
| Elektrik (Kompletterneuerung) | €/m² Wohnfläche | 80–150 € | Bei Altbau häufig nötig |
| Sanitär / Bad (komplett) | €/Bad | 8.000–25.000 € | Je nach Ausstattung |
| Kellerdeckendämmung | €/m² Deckenfläche | 20–60 € | Kostengünstige Energiemaßnahme |
| Innenputz / Estrich | €/m² Fläche | 30–80 € | Bei Kernsanierung oft nötig |
| Schadstoffsanierung (Asbest) | individuell | 5.000–50.000 € | Abhängig von Menge und Material |
Stand: Mai 2026. Kosten verstehen sich als Orientierungswerte je nach Region, Materialwahl und Zustand.
Nach dem Überblick die entscheidende Frage: Wo fängst du am besten an?
Energetische Sanierung: Wo du am meisten sparst
Die drei Maßnahmen mit dem größten Einsparpotenzial sind Dachdämmung, Heizungstausch und Fenstererneuerung – aber nicht in jeder Konstellation gleich sinnvoll.
Dachdämmung ist oft der beste Einstieg. Ein ungedämmtes Dach verliert bis zu 30% der Heizwärme. Kosten für Zwischensparrendämmung: 150–300 €/m² Dachfläche. Die Energieeinsparung liegt typischerweise bei 15–25% des Gesamtheizbedarfs, der Amortisationszeitraum bei 10–15 Jahren – ohne Förderung. Mit BAFA-Förderung (bis zu 20% der Maßnahmenkosten) verkürzt sich das deutlich.
Heizungstausch auf Wärmepumpe hat die größte Hebelwirkung – aber nur, wenn die Gebäudehülle ausreichend gedämmt ist. Eine Wärmepumpe in einem schlecht gedämmten Altbau läuft ineffizient und erhöht die Betriebskosten. Daumenregel: Erst dämmen, dann die Heizung auf das neue Niveau auslegen.
Rechenbeispiel: Angenommen, ein 120 m² großes Einfamilienhaus aus den 1970ern verbraucht vor der Sanierung 25.000 kWh Gas pro Jahr. Mit Dämmung (Dach, Fassade, Keller) sinkt der Bedarf auf ca. 12.000 kWh – das entspricht bei einem angenommenen Gaspreis von 0,18 €/kWh einer Ersparnis von rund 2.340 € jährlich. Der verwendete Gaspreis dient nur zur Veranschaulichung; die tatsächliche Einsparung hängt von deinem individuellen Verbrauch und den zum Sanierungszeitpunkt gültigen Energiepreisen ab.
Weitere Details zu energetischen Maßnahmen findest du im Artikel zur energetischen Sanierung. Um die Finanzierung für eine umfassende Sanierung durchzurechnen, hilft dir der Baufinanzierungsrechner.
In welcher Reihenfolge solltest du die Gewerke angehen?
Das ist einer der am häufigsten unterschätzten Planungsfehler: die falsche Reihenfolge. Wer zuerst das Bad renoviert und danach die Wände aufreißt, um die Leitungen zu erneuern, zahlt doppelt.
Die richtige Reihenfolge folgt einer einfachen Logik: erst die Hülle, dann die Technik, dann der Innenausbau.
- Dach und Fassade zuerst: Sie schützen alles darunter. Wasser, das eindringt, beschädigt alle nachfolgenden Arbeiten.
- Fenster und Außentüren: Erst nach Dach und Fassade, damit die Laibungen korrekt angearbeitet werden können.
- Heizung: Nach der Dämmung – weil die Heizlastberechnung für die neue Anlage die gedämmten Bauteile berücksichtigen muss. Eine zu groß ausgelegte Wärmepumpe ist ineffizient und teurer im Betrieb.
- Elektrik und Sanitär: Bevor Wände geschlossen werden.
- Innenausbau: Böden, Wände, Malerarbeiten – immer als letztes.
Ab einem Sanierungsvolumen von rund 50.000 Euro oder wenn energetische Förderung geplant ist, lohnt sich ein Energieberater (zugelassener Energieeffizienz-Experte) vor der Planung. Er erstellt den individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP), der nicht nur die Reihenfolge empfiehlt, sondern auch die Voraussetzung für den höchsten BEG-Förderbonus ist. Dazu mehr im Förderabschnitt.
Sanierungsbedarf nach Baujahr: Was dich bei welchem Haus erwartet
Kein Baujahr gleicht dem anderen. Jede Epoche hat ihre typischen Schwachstellen – und wenn du weißt, was dich erwartet, kannst du beim Kauf besser verhandeln und das Budget realistischer planen.
Vorkriegsbauten und Gründerzeit (bis ca. 1945)
Gründerzeitler haben einen guten Ruf – oft zurecht. Massives Mauerwerk aus Vollziegel speichert Wärme gut und ist langlebig. Die Deckenhöhen und der Grundrisscharakter sind gefragt. Was sie dennoch aufwändig macht:
- Keine oder kaum Wärmedämmung – Hülle muss energetisch ertüchtigt werden
- Elektrik und Sanitär sind meist vollständig erneuerungsbedürftig
- Alte Stahlträger in Decken können Überraschungen bei der Statik bereiten
- Holzbalkendecken sind pflegeintensiv und brandschutztechnisch zu prüfen
Häufig ist bei diesen Gebäuden Denkmalschutz relevant – was besondere Auflagen, aber auch erhebliche steuerliche Vorteile mit sich bringt (mehr dazu im Denkmalschutz-Abschnitt weiter unten).
Daumenregel Gesamtkosten: 800–1.500 €/m² Wohnfläche bei umfassender Sanierung eines typischen Gründerzeitlers in mittlerem Zustand.
Nachkriegsbauten der 1950er und 1960er Jahre
Pragmatisch gebaut, oft mit einfachsten Mitteln. Das Ergebnis: dünne Außenwände (18–24 cm Ziegel), keine Kellerdeckendämmung, veraltete Ölheizungen und häufig noch funktionierende, aber technisch veraltete Elektrik mit zu wenigen Stromkreisen.
Bleileitungen in der Wasserversorgung sind in Häusern dieser Epoche möglich – eine Überprüfung durch einen Fachbetrieb ist vor dem Kauf empfehlenswert. Asbest ist in dieser Bauepoche noch kein dominantes Thema, kommt aber vereinzelt in Dichtungsmaterialien vor.
Praxisbeispiel: 120 m² EFH, Bj. 1962, Zustand „bewohnbar aber veraltet"
| Maßnahme | Kostenrahmen |
|---|---|
| Dach (Neueindeckung + Dämmung) | 18.000–28.000 € |
| Fassade / WDVS | 15.000–22.000 € |
| Fenster (10 Einheiten) | 12.000–18.000 € |
| Heizung (Wärmepumpe) | 18.000–25.000 € |
| Elektrik (Kompletterneuerung) | 12.000–18.000 € |
| Bad (1 komplett) | 10.000–18.000 € |
| Kellerdeckendämmung | 3.000–6.000 € |
| Gesamt (ohne Puffer) | 88.000–135.000 € |
| Empfohlener Puffer 15–20% | 13.000–27.000 € |
| Realistisches Gesamtbudget | 101.000–162.000 € |
Daumenregel: 70.000–110.000 € bei umfassender Sanierung, je nach Ausgangszustand.
Die 1970er und 1980er Jahre – Asbest und Energieschleudern
Was muss bei einem 50 Jahre alten Haus saniert werden? Bei einem Baujahr um 1975 sind das in aller Regel folgende Maßnahmen:
- Heizungsanlage tauschen – Öl- und Gasheizungen dieser Ära sind häufig tauschpflichtig nach GEG
- Fenster erneuern – erste Kunststofffenster aus den frühen 1980ern nach 40+ Jahren am Ende ihrer Lebensdauer
- Dachdämmung nachrüsten – oft völlig fehlend oder mit viel zu dünner Schicht ausgeführt
- Fassadendämmung ergänzen – erste WDVS-Systeme (Wärmedämmverbundsysteme) aus dieser Zeit zeigen Alterserscheinungen
- Elektrik überprüfen und nachrüsten – zu wenige Stromkreise, veraltete Sicherungen
- Schadstoffuntersuchung beauftragen – Asbest in Bodenbelägen, Rohrdämmungen und Dachplatten möglich
- Ggf. Kellerdecke und Dachbodendämmung nachrüsten – oft vergessene, aber kostengünstige Maßnahmen
Häuser aus den 1970er Jahren sind die problematischste Baualtersklasse:
- Asbest wurde bis 1993 verbaut: in Dachplatten (Eternit), Bodenbelägen (Vinyl-Fliesen), Rohrdämmungen, Fensterkitt und Putzen. Fachgerechte Entsorgung kostet je nach Menge und Material zwischen 5.000 und 50.000 Euro – und taucht in keinem Standard-Angebot auf.
- Schlechte Wärmedämmung trotz erster Dämmversuche (oft zu dünne WDVS-Schichten der ersten Generation)
- Ölheizungen aus dieser Zeit müssen laut Gebäudeenergiegesetz (GEG) ersetzt werden, wenn sie älter als 30 Jahre und nicht Niedertemperatur- oder Brennwerttechnik sind
- Erste Kunststofffenster aus den frühen 1980ern sind nach 40+ Jahren erneuerungsbedürftig
Praxisbeispiel: 120 m² EFH, Bj. 1975, Zustand „typisch unsaniert"
| Maßnahme | Kostenrahmen |
|---|---|
| Dach (Neueindeckung + Dämmung) | 20.000–32.000 € |
| Fassade / WDVS (Ersatz oder Erstmontage) | 15.000–22.000 € |
| Fenster (10 Einheiten) | 12.000–18.000 € |
| Heizung (Wärmepumpe inkl. Heizkörpertausch) | 20.000–30.000 € |
| Elektrik (Kompletterneuerung) | 12.000–18.000 € |
| Schadstoffsanierung Asbest (mittlere Belastung) | 10.000–25.000 € |
| Bad (1 komplett) | 10.000–18.000 € |
| Gesamt (ohne Puffer) | 99.000–163.000 € |
| Empfohlener Puffer 15–20% | **15.000–33.000 € |
| Realistisches Gesamtbudget | 114.000–196.000 € |
Daumenregel: 80.000–130.000 €, bei Asbestbelastung deutlich mehr.
Häuser aus den 1990er und frühen 2000er Jahren
Der Ausgangszustand ist deutlich besser. Wärmeschutzverordnungen haben gegriffen, Elektrik und Sanitär sind oft noch funktionsfähig. Dennoch gibt es typische Schwachstellen:
- Erste WDVS-Systeme aus den frühen 1990ern zeigen teils Alterserscheinungen (Risse, Feuchteschäden) und müssen überprüft werden
- Gaskessel aus dieser Zeit sind in vielen Fällen tauschpflichtig oder wirtschaftlich am Ende
- Das energetische Aufholpotenzial ist vorhanden, aber der Druck ist geringer
Daumenregel Gesamtkosten bei 120 m² EFH: 30.000–70.000 € für eine gezielte energetische Modernisierung.
Versteckte Kosten und Kostenfallen – was viele unterschätzen
Die meisten Kostenübersichten zeigen dir, was du planst. Dieser Abschnitt zeigt dir, was dich trotzdem überraschen kann.
Plane immer einen Puffer von 15–20% auf dein Gesamtbudget ein. Nicht als vorsichtige Empfehlung, sondern als realistische Notwendigkeit – bei Altbauten ist das erfahrungsgemäß keine Ausnahme, sondern die Regel.
Schadstoffe: Asbest, Blei und PCB
Das ist das Thema, das Bauherren am häufigsten kalt erwischt. Schadstoffe tauchen in keinem Kostenvoranschlag auf – weil sie erst nach einer Schadstoffuntersuchung bekannt sind.
- Asbest (Baujahre bis 1993): Häufig in Dacheindeckungen, Bodenbelägen, Rohrdämmungen. Kosten für fachgerechte Entsorgung: 50–150 €/m² befallene Fläche, je nach Material und Menge. Gesamtkosten bei größeren Mengen: 10.000–50.000 €.
- Bleileitungen (Baujahre bis ca. 1970): Müssen komplett ersetzt werden, wenn sie der Trinkwasserversorgung dienen. Kosten für komplette Leitungserneuerung: 5.000–15.000 €.
- PCB (polychlorierte Biphenyle, Baujahre 1950–1980): In Fugenmassen, Dichtungen und Anstrichen. Selten, aber bei Fund kostspielig: 15.000–80.000 € je nach Ausmaß.
Empfehlung: Beauftrage vor dem Kauf ein Schadstoffgutachten durch einen unabhängigen Sachverständigen. Die Kosten dafür liegen bei 500–2.000 Euro – und können dir eine böse Überraschung im sechsstelligen Bereich ersparen.
Statik, Schimmel und weitere Überraschungen
Hinter Verkleidungen kann sich einiges verbergen:
- Statische Mängel: Wenn beim Umbau tragende Wände betroffen sind oder bei Gründerzeitlern Deckenträger verrostet sind, kann ein statisches Gutachten und die Sanierung schnell 20.000–50.000 Euro kosten.
- Versteckter Schimmel: Hinter Tapeten, in Hohlräumen, unter Bodenbelägen. Schimmelsanierung kostet je nach Ausmaß 2.000–20.000 Euro – und erfordert bei größerem Befall einen zertifizierten Fachbetrieb.
- Marode Dachstuhlkonstruktionen: Holzschädlinge (Hausbock, Schwamm) können eine komplette Dachstuhlsanierung notwendig machen: 15.000–40.000 Euro.
- Behördenauflagen: Besonders bei Denkmalschutz oder Umbaugenehmigungen können Auflagen die Planung teuer verändern.
- Planungs- und Beratungsnebenkosten: Energieberater (500–2.000 €), Bausachverständiger für Kaufbegehung (500–1.500 €), Baugenehmigungen – diese Positionen fehlen in vielen Kostenkalkulationen, sind aber reale Ausgaben.
Praktische Frage: Kann man während der Sanierung im Haus wohnen?
Bei einer Teilsanierung oder wenn einzelne Gewerke nacheinander abgearbeitet werden: oft ja. Bei einer umfassenden Sanierung oder Kernsanierung (Projektlaufzeit 9–18 Monate): meistens nicht empfehlenswert. Kein Heizungsnetz während des Heizungstausches, Staubbelastung bei Abrissarbeiten und fehlende Sanitäreinrichtungen während der Badrenovierung machen das Wohnen im Objekt zur echten Belastung. Plane in diesem Fall Mietkosten für den Sanierungszeitraum als eigenen Budgetposten ein.
Empfehlung: Schalte vor dem Kauf einen unabhängigen Bausachverständigen ein. Er erkennt die meisten dieser Punkte – und verhandlungswirksam sind sie alle. Zertifizierte Sachverständige findest du über die Architektenkammer deines Bundeslandes oder den Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger (BVSK).
Worauf beim Kauf eines Altbaus achten – die Besichtigungs-Checkliste
Bevor du ein Altbauobjekt kaufst, lohnt sich eine strukturierte Begehung. Diese acht Punkte helfen dir, keine wichtigen Mängel zu übersehen – und sie sind gleichzeitig deine Verhandlungsgrundlage beim Kaufpreis:
- Dachzustand prüfen: Sind Ziegel gebrochen, gibt es Feuchtigkeitsflecken im Spitzbodenbereich? Ein maroder Dachstuhl kostet schnell 15.000–40.000 €.
- Energieausweis einfordern: Verbrauchskennwert und Effizienzklasse geben einen ersten Hinweis auf den energetischen Zustand – ohne ihn solltest du keinen Kaufvertrag unterzeichnen.
- Heizungsalter dokumentieren: Ist die Anlage älter als 30 Jahre und kein Niedertemperatur- oder Brennwertgerät? Dann ist ein Tausch nach GEG Pflicht.
- Bleileitungen prüfen lassen: Besonders bei Baujahren bis ca. 1970. Ein Fachbetrieb kann die Trinkwasserleitungen auf Blei testen.
- Schadstoffgutachten beauftragen: Bei Baujahren bis 1993 ist ein Asbestcheck Pflicht, bevor du Kosten kalkulierst. PCB und Bleifarben bei Baujahren 1950–1980 ebenfalls abklären.
- Keller und Außenwände auf Feuchtigkeitsschäden kontrollieren: Abdunkelung, Ausblühungen, Schimmelgeruch sind klare Warnsignale.
- Denkmalschutzstatus klären: Beim zuständigen Bauordnungsamt oder in der Denkmalliste deines Bundeslandes. Denkmalschutz bedeutet Auflagen, aber auch Steuervorteile.
- Baugenehmigungen für Anbauten prüfen: Nicht genehmigte Anbauten oder Umbauten können im Nachhinein teuer werden oder den Verkauf erschweren.
Ein unabhängiger Bausachverständiger bei der Begehung kostet 500–1.500 Euro – und macht jeden dieser Punkte belastbar. Das ist gut angelegtes Geld, bevor du einen sechsstelligen Kaufvertrag unterzeichnest.
Denkmalschutz: Mehrkosten und Steuervorteile
Bei Gründerzeitlern, Fachwerkhäusern oder anderen historischen Gebäuden ist Denkmalschutz keine Seltenheit – und er verändert die Kalkulation erheblich. In zwei Richtungen.
Die Mehrkosten: Unter Denkmalschutz kannst du nicht einfach eine moderne Fassadendämmung aufbringen oder Fenster nach Wärmedämmstandard tauschen. Die Denkmalschutzbehörde schreibt vor, welche Materialien und Methoden zulässig sind – das ist oft teurer als der Standardweg. Typische Aufschläge: 20–40% auf die Sanierungskosten für denkmalgeschützte Bauteile.
Die Steuervorteile – und warum sie sich häufig lohnen:
Für selbst genutzte denkmalgeschützte Immobilien erlaubt §10f EStG, Sanierungskosten über zehn Jahre mit je 9% (= 90% gesamt) steuerlich abzusetzen. Bei vermieteten Denkmalobjekten greift §7i EStG mit 8% pro Jahr über zwölf Jahre (= 96% gesamt). Das ist erheblich: Bei 150.000 Euro Sanierungskosten und einem persönlichen Steuersatz von 40% ergibt sich eine steuerliche Entlastung von rund 57.600 Euro (selbst
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