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Sanierungskosten pro qm: Was du wirklich für Dach, Bad, Heizung & Co. einplanen musst

Johannes Fenner

Johannes Fenner ist Co-Founder von Justhome. Die Immobilienfinanzierung ist seit mehreren Jahren seine Leidenschaft. Mit Justhome will er anderen dabei helfen, sich den Traum vom eigenen Zuhause zu verwirklichen.

2. Juni 2026Aktualisiert vor 43 MinutenLesezeit: 13 Min.

Sanierungskosten pro qm liegen je nach Maßnahme zwischen 15 € (Laminat) und über 200 € (Fassadendämmung) – für eine Kernsanierung, also die vollständige Erneuerung aller technischen und baulichen Komponenten eines Gebäudes, kalkulierst du grob mit 500 bis 1.500 € pro Quadratmeter Wohnfläche. Was das für dein konkretes Objekt bedeutet, hängt stark vom Baujahr, dem Zustand der Immobilie und den Maßnahmen ab, die du planst. Dieser Artikel schlüsselt die Kosten nach Gewerk und Haustyp auf – mit einer Übersichtstabelle zum Download, drei Beispielrechnungen für typische Wohnimmobilien und einem Überblick über Fördermöglichkeiten, die die Gesamtrechnung spürbar verbessern können.

Stand: Mai 2026. Kostenangaben basieren auf Durchschnittswerten; regionale Abweichungen und Materialpreisentwicklungen können die tatsächlichen Kosten beeinflussen.

Inhaltsverzeichnis

    Sanieren, Renovieren, Modernisieren: Was ist eigentlich was?

    Viele suchen nach „Renovierungskosten pro qm" und meinen dabei etwas ganz anderes als Renovierung im engeren Sinn. Das ist kein Fehler – die Begriffe werden im Alltag oft durchgemischt. Für die Budgetplanung lohnt es sich trotzdem, kurz klarzustellen, was hinter den drei Begriffen steckt.

    Was bedeutet Sanierung?

    Sanierung meint die Wiederherstellung eines ordnungsgemäßen Zustands – also die Behebung von Mängeln und Schäden. Typische Beispiele: ein undichtes Dach, veraltete Elektroleitungen ohne Schutzleiter, ein feuchter Keller oder ein maroder Heizkessel. Das Ziel ist nicht Verbesserung, sondern die Rückkehr zum Sollzustand.

    Der Sonderfall ist die Kernsanierung: Dabei werden alle technischen und baulichen Komponenten eines Gebäudes vollständig erneuert – Dach, Fassade, Fenster, Heizung, Elektrik, Sanitär, Böden. Das ist der aufwendigste und teuerste Weg, den manche Altbauten schlicht erfordern.

    Was bedeutet Renovierung?

    Renovierung ist die günstigste der drei Varianten: Streichen, Tapezieren, Schleifen, vielleicht neue Bodenbeläge. Rein kosmetisch, keine Eingriffe in Struktur oder Technik. Wer eine frisch bezogene Mietwohnung auffrischen will, renoviert. Wer ein Haus aus den 1970ern kauft, wird in den meisten Fällen mehr als das brauchen.

    Was bedeutet Modernisierung?

    Modernisierung geht über die Wiederherstellung hinaus – sie verbessert den Zustand gegenüber dem ursprünglichen Standard. Eine neue Wärmepumpe statt einer alten Ölheizung, eine Fassadendämmung, Dreifachverglasung statt Einfachglas: Das alles zählt zur Modernisierung. Energetische Maßnahmen fallen fast immer in diese Kategorie – und sind oft förderfähig. Mehr dazu, was bei einer energetischen Sanierung auf dich zukommt, findest du in unserem ausführlichen Ratgeber.


    Sanierungskosten pro qm auf einen Blick: Die Übersichtstabelle

    Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Gewerke mit Kostenspannen und einer Beispielrechnung für ein 120-m²-Haus. Die Werte sind Durchschnitte für den deutschen Markt – in Ballungsräumen wie München oder Hamburg können die Preise 20–30 % höher liegen, in ländlichen Regionen entsprechend niedriger. Die Förderangaben beziehen sich auf eine prinzipielle Förderfähigkeit; konkrete Programme und Konditionen sind im Förderabschnitt weiter unten erläutert.

    Gewerk Kostenspanne pro m² Typische Gesamtkosten (120 m² Wohnfläche) Förderung möglich
    Dachdämmung 30–80 €/m² Dachfläche 6.000–18.000 € (150 m² Dachfläche) Ja (BEG)
    Dacheindeckung (Neubau) 50–120 €/m² Dachfläche 10.000–22.000 € (150 m² Dachfläche) Nein
    Fassadendämmung (WDVS) 80–200 €/m² Fassade 20.000–50.000 € (ca. 200 m² Fassade) Ja (BEG)
    Fensteraustausch 400–1.500 € pro Einheit 6.000–20.000 € (10–15 Fenster) Ja (BEG)
    Heizungsanlage 8.000–25.000 € gesamt 8.000–25.000 € Ja (BEG, KfW)
    Badsanierung 400–1.200 €/m² Bad 3.200–9.600 € (8 m² Bad) Nein
    Kellersanierung 50–200 €/m² Wandfläche 5.000–20.000 € Nein
    Fußboden (Laminat) 15–40 €/m² 1.800–4.800 € Nein
    Fußboden (Parkett) 60–150 €/m² 7.200–18.000 € Nein
    Elektroinstallation 50–120 €/m² Wohnfläche 6.000–14.400 € Nein

    Rechenbeispiel: Die Gesamtkosten basieren auf Näherungswerten für ein typisches Einfamilienhaus. Dein Objekt kann je nach Zustand, Zuschnitt und Region deutlich abweichen. Hol dir vor dem Kauf oder Baubeginn mindestens drei Handwerkerangebote ein.

    Kostentabelle als PDF herunterladen

    Die Tabelle oben gibt dir einen guten Überblick – aber beim nächsten Handwerkergespräch oder Banktermin willst du sie vielleicht griffbereit haben. Als PDF kannst du die Kostentabelle ausdrucken, eigene Notizen ergänzen und direkt neben Angebote legen, um die Preise realistisch einzuordnen. Das Dokument eignet sich außerdem für die erste Budgetplanung, wenn du ein sanierungsbedürftiges Haus kaufen möchtest und noch keine konkreten Angebote hast. Die herunterladbare Version entspricht dem aktuellen Stand und bedient damit auch den Bedarf an einer strukturierten Altbausanierung Kosten Tabelle als PDF. (Download-Button folgt an dieser Stelle im Live-Artikel.)


    Sanierungskosten einzelner Maßnahmen im Detail

    Die Tabelle gibt dir die Richtung vor – in diesem Abschnitt schauen wir uns an, was die Kosten bei den einzelnen Gewerken wirklich treibt und wann welche Maßnahme nötig wird.

    Dachsanierung: Kosten pro m²

    Das Dach ist oft der erste kritische Punkt beim Altbaükauf. Zwei Szenarien sind zu unterscheiden:

    Dachdämmung: Wenn die Substanz noch gut ist, reicht eine Zwischensparren-, Aufsparren- oder Untersparrendämmung. Kostenspanne: ca. 30–80 €/m² Dachfläche – je nach Dämmstärke und Verfahren. Für ein typisches Satteldach mit 150 m² Fläche bedeutet das 4.500 bis 12.000 €.

    Neueindeckung: Wenn Ziegel, Lattung und Dachpappe marode sind, wird ein kompletter Neuaufbau nötig. Rechne mit ca. 50–120 €/m², also 7.500 bis 18.000 € für dasselbe Dach.

    Beide Maßnahmen zusammen können also schnell 25.000 € kosten. Wichtig: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt vor, dass die oberste Geschossdecke bzw. das Dach beim Kauf einer Bestandsimmobilie gedämmt sein muss – sofern sie bisher ungedämmt ist. Die Frist beträgt zwei Jahre nach Eigentumsübergang. Das ist keine Kür, sondern Pflicht.

    Heizung erneuern: Kosten pro m²

    Beim Heizungstausch gibt es keinen sinnvollen m²-Preis – die Kosten hängen vom Heizsystem, der Gebäudegröße und dem Verteilernetz ab. Als Orientierung:

    • Wärmepumpe (Luft-Wasser): 15.000–25.000 € inkl. Installation
    • Pelletheizung: 15.000–30.000 €
    • Gas-Brennwertkessel: 6.000–12.000 € (aber: nach GEG müssen ab 2045 keine fossilen Heizungen mehr betrieben werden; neue rein fossil betriebene Heizungen werden schrittweise eingeschränkt)

    Die gute Nachricht: Der Wechsel zu einer klimafreundlichen Heizung wird durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit bis zu 70 % der Investitionskosten bezuschusst – abhängig von Einkommenshöhe, Gebäudezustand und gewähltem System. Das reduziert die tatsächliche Investition erheblich.

    Fassadendämmung: Kosten pro m²

    Gut gedämmte Außenwände senken den Heizenergiebedarf spürbar – die Fassadendämmung ist eine der wirksamsten energetischen Einzelmaßnahmen. Das häufigste Verfahren ist das Wärmedämmverbundsystem (WDVS): Dämmplatten werden direkt auf die Außenwand geklebt und gedübelt, dann verputzt. Kosten: ca. 80–150 €/m². Alternativen wie Vorhangfassade oder Einblasdämmung (bei Hohlwänden) liegen teils darüber oder darunter.

    Rechenbeispiel: Ein freistehendes Einfamilienhaus hat typischerweise ca. 180–250 m² Fassadenfläche. Bei 120 €/m² WDVS wären das ca. 21.600–30.000 € für die Außenwände allein.

    Fassadendämmung ist über die BEG förderfähig – das ist bei dieser Investitionshöhe relevant.

    Fenster und Türen: Kosten pro Einheit und pro m²

    Einfachverglaste Fenster aus den 1970ern sind energetisch kaum vertretbar. Der Austausch auf moderne Dreifachverglasung ist eine der häufigsten Modernisierungsmaßnahmen.

    • Fenster (Zweifachverglasung): ca. 400–900 € pro Einheit
    • Fenster (Dreifachverglasung): ca. 700–1.500 € pro Einheit
    • Haustür (gedämmt): ca. 2.000–5.000 €

    Für ein Haus mit 12 Fenstern und einer neuen Haustür ergibt das: 6.800–23.000 € – eine breite Spanne, die von Rahmenmaterial (Kunststoff, Holz, Alu), Größe und Verglasungsart abhängt. Fensteraustausch ist über die BEG förderfähig, wenn bestimmte Mindeststandards (U-Wert) eingehalten werden.

    Badsanierung: Kosten pro m²

    Badsanierung ist eines der emotionalsten Gewerke – und eines der teuersten pro Quadratmeter. Kostenspanne: ca. 400–1.200 €/m².

    Der Unterschied liegt im Umfang: Eine kosmetische Badsanierung (neue Fliesen, neue Sanitärobjekte, Armaturenwechsel) kostet für ein 8-m²-Bad etwa 3.200–5.600 €. Eine Komplettsanierung, bei der auch Rohrleitungen erneuert, die Elektrik angepasst und der komplette Feuchtigkeitsschutz neu aufgebaut werden, landet schnell bei 7.000–9.600 € für denselben Raum.

    Faustregel: Wenn das Bad vor 1990 eingebaut wurde und die Leitungen noch nie erneuert wurden, plane lieber für die vollständige Variante.

    Kellersanierung: Kosten pro m²

    Feuchtigkeit im Keller ist im Altbau keine Seltenheit – und wenn sie da ist, muss sie behoben werden, bevor andere Sanierungsmaßnahmen greifen. Zwei grundsätzliche Ansätze:

    • Innenabdichtung: Feuchtigkeitssperren und Abdichtungsschlämme werden von innen aufgebracht. Kosten: ca. 50–150 €/m² Wandfläche. Günstiger, aber nicht immer dauerhaft ausreichend.
    • Außenabdichtung: Die Erdseite der Kellerwände wird freigelegt und neu abgedichtet. Deutlich aufwendiger (Erdaushub!) und teurer: 300–600 €/m² oder mehr.

    Kellersanierung ist in der Regel nicht förderfähig. Plane sie daher vollständig aus Eigenmitteln oder regulärer Finanzierung.

    Fußbodenrenovierung: Kosten pro m²

    Das günstigste Gewerk im Überblick – wenn der Untergrund in Ordnung ist. Kosten je nach Material:

    • Laminat: 15–40 €/m² inkl. Verlegung
    • Vinyl/LVT: 25–60 €/m²
    • Fliesen: 40–100 €/m²
    • Massivparkett oder Dielen: 60–150 €/m²

    Wenn der Untergrund saniert werden muss (feuchter Estrich, instabile Deckenkonstruktion), kommen 20–60 €/m² für Estricharbeiten dazu. Bei Altbauten vor 1960 sind alte Holzdielen häufig – sie können geschliffen und versiegelt werden (ca. 15–30 €/m²) und sind oft schöner als jeder neue Belag.

    Elektroinstallation erneuern: Kosten pro m²

    In Gebäuden, die vor 1980 gebaut wurden, ist die Elektroinstallation oft sicherheitsrelevant: keine Schutzleiter, keine ausreichenden Querschnitte, veraltete Sicherungen. Eine vollständige Erneuerung kostet ca. 50–120 €/m² Wohnfläche – bei 120 m² also 6.000–14.400 €.

    Hier gibt es keine sinnvollere Bezugsgröße als die Wohnfläche, weil Leitungswege, Verteiler und Anschlussmengen von der Hausgröße abhängen, nicht von der Fläche einzelner Räume. Elektrik ist nicht förderfähig als Einzelmaßnahme, kann aber Teil eines förderfähigen Gesamtpakets sein.


    Was kostet eine Komplettsanierung? Beispielrechnungen für drei Haustypen

    Abstrakte Quadratmeterpreise werden erst greifbar, wenn du sie auf ein konkretes Objekt anwendest. Drei typische deutsche Wohnimmobilien – mit den Maßnahmen, die bei dieser Art von Gebäude realistisch anfallen.

    Hinweis: Dies sind Beispielrechnungen mit Durchschnittswerten. Deine tatsächlichen Kosten hängen vom konkreten Zustand, der Region und den Handwerkerpreisen vor Ort ab.

    Beispiel 1: 70-m²-Wohnung in einem Altbau (Baujahr ca. 1960–1975)

    Typische Ausgangssituation: Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus, Fenster aus den 1980ern, veraltetes Bad, kein Fußbodenbelag mehr zu retten, Elektrik noch Original.

    Maßnahme Kostenrahmen
    Fenstererneuerung (6 Fenster) 4.200–8.000 €
    Badsanierung (6 m²) 2.400–6.500 €
    Fußboden erneuern (70 m²) 2.500–7.000 €
    Elektrik erneuern (70 m²) 3.500–8.400 €
    Malerarbeiten / Renovierung 1.500–3.000 €
    Gesamt 14.100–32.900 €

    Dach und Fassade sind bei einer Wohnung Sache der Eigentümergemeinschaft – können also als Sonderumlage dazukommen, müssen aber nicht vom Käufer allein getragen werden.

    Beispiel 2: 100-m²-Einfamilienhaus (Baujahr ca. 1980–1995)

    Typische Ausgangssituation: freistehendes Haus, Heizung am Ende der Laufzeit, Dach gedämmt aber Fenster veraltet, Bad dringend erneuerungsbedürftig.

    Maßnahme Kostenrahmen
    Heizungsanlage (Wärmepumpe) 15.000–22.000 €
    Fenstererneuerung (10 Einheiten) 7.000–14.000 €
    Badsanierung (8 m²) 3.200–8.000 €
    Fußboden (100 m²) 4.000–10.000 €
    Malerarbeiten 2.000–4.000 €
    Gesamt 31.200–58.000 €

    Vor Förderung. Der Heizungstausch auf Wärmepumpe wäre mit bis zu 70 % Förderung (BEG) potenziell mit ca. 6.000–15.000 € Eigenanteil realisierbar – abhängig von Einkommenshöhe und Gebäudeeffizienz.

    Beispiel 3: 150-m²-Einfamilienhaus aus den 1970ern (Kernsanierung)

    Typische Ausgangssituation: Haus mit massivem Sanierungsstau – ungedämmte Außenwände, Einfachverglasung, Ölheizung, Bleileitungen, Elektrik ohne Schutzleiter, Keller feucht.

    Maßnahme Kostenrahmen
    Dach sanieren (160 m²) 12.000–25.000 €
    Fassadendämmung (WDVS, 220 m²) 20.000–44.000 €
    Fenster (14 Einheiten + Haustür) 10.000–24.000 €
    Heizung (Wärmepumpe) 15.000–25.000 €
    Bad (9 m², Komplettsanierung) 4.500–10.000 €
    Elektrik (150 m²) 7.500–18.000 €
    Kellersanierung 5.000–15.000 €
    Fußboden (150 m²) 5.000–15.000 €
    Malerarbeiten / Innenausbau 3.000–8.000 €
    Gesamt 82.000–184.000 €

    Das entspricht grob 550–1.200 € pro Quadratmeter Wohnfläche. Dieser Haustyp ist klassisches Terrain für die Frage: Lohnt sich eine Kernsanierung – oder doch Neubau?


    Altbau sanieren oder Neubau kaufen: Wann lohnt sich was?

    Ein Altbau aus den 1970ern mit Kernsanierungskosten von 100.000–180.000 € plus Kaufpreis kann in vielen Lagen teurer werden als ein gleichwertiger Neubau. Und trotzdem gibt es gute Gründe für den Altbau.

    Für die Sanierung sprechen:

    • Attraktive Lagen, die im Neubau nicht verfügbar sind (gewachsene Viertel, zentrale Grundstücke)
    • Massivbauweise und Raumhöhen, die Neubauten selten bieten
    • Gestaltungsfreiheit bei der Ausstattung
    • Kombination aus günstigerem Kaufpreis und Fördermitteln kann wirtschaftlich aufgehen

    Für den Neubau sprechen:

    • Planungssicherheit: keine versteckten Mängel, kein Sanierungsstau
    • Hoher Energiestandard von Anfang an – niedrige Betriebskosten
    • Keine Sanierungspflichten nach GEG unmittelbar nach dem Kauf
    • Oft schlüsselfertig ohne Baustellenstress

    Ein belastbarer Vergleich hängt von der konkreten Region, dem tatsächlichen Kaufpreis und den Finanzierungskonditionen ab. Die Hauskauf Checkliste hilft dir dabei, sanierungsbedürftige Objekte systematisch zu bewerten.


    Sanierungspflichten nach GEG: Was ist wirklich Pflicht?

    Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verpflichtet Käufer von Bestandsimmobilien zu bestimmten Maßnahmen. Wer ein Altbauhaus kauft, muss folgendes prüfen:

    Pflichtmaßnahmen nach GEG:

    • Dachdämmung / oberste Geschossdecke: Wenn die oberste Geschossdecke oder das Dach nicht ausreichend gedämmt ist, muss das innerhalb von zwei Jahren nach Eigentumsübergang nachgerüstet werden. Mindestanforderung: U-Wert ≤ 0,24 W/(m²K).
    • Heizkessel: Heizkessel, die älter als 30 Jahre sind und mit konstantem Wasser temperiert werden (keine Niedertemperatur- oder Brennwertkessel), müssen ausgetauscht werden.
    • Rohrdämmung: Ungedämmte Heizungs- und Warmwasserleitungen in unbeheizten Räumen müssen gedämmt werden.

    Was ist freiwillig:

    Fassadendämmung, Fensteraustausch und die meisten anderen energetischen Maßnahmen sind gesetzlich nicht verpflichtend – auch wenn sie wirtschaftlich sinnvoll sein können. Der Staat fördert sie, erzwingt sie aber (noch) nicht.

    Wichtig: Die GEG-Regelungen gelten nicht für selbst bewohnte Einfamilienhäuser, solange der Eigentümer das Gebäude seit Februar 2002 selbst bewohnt. Beim Kauf greift die Pflicht jedoch neu an. Lass dir vom Verkäufer den Energieausweis zeigen – er gibt einen ersten Überblick über den energetischen Zustand.


    Sanierungskosten berechnen: So gehst du vor

    Viele Käufer kaufen eine Immobilie, ohne vorher eine realistische Kostenschätzung für die Sanierung zu haben – und geraten dann unter Druck. Mit dieser Methodik kannst du vor dem Notartermin eine belastbare Zahl ermitteln.

    Schritt 1: Bestandsaufnahme nach Gewerk

    Geh das Gebäude systematisch durch und notiere für jedes Gewerk: Baujahr der letzten Erneuerung (oder „unbekannt"), sichtbarer Zustand, dringend / mittelfristig / kann warten.

    Schritt 2: Flächen messen oder schätzen

    Du brauchst: Dachfläche, Fassadenfläche, Wohnfläche, Badgröße, Anzahl Fenster. Aus den Exposé-Unterlagen und einer Gebäudebesichtigung lassen sich diese Werte gut schätzen.

    Schritt 3: Kostentabelle anwenden

    Multipliziere die Flächen mit den mittleren Werten aus der Tabelle oben. Für eine erste Einschätzung nutze den Mittelwert der Spanne, nicht das untere Ende.

    Schritt 4: Puffer einplanen

    Bei Altbauten sind Überraschungen die Regel, nicht die Ausnahme. Plane mindestens 15–20 % Puffer über deine erste Schätzung hinaus.

    Schritt 5: Drei Angebote einholen

    Ab einem Sanierungsvolumen von 20.000 € lohnt sich ein unabhängiger Baugutachter oder Energieberater, der eine Kostenschätzung erstellt. Das kostet 500–2.000 €, kann aber deutlich teurer werdende Fehleinschätzungen verhindern.


    Kosten senken: Was wirklich hilft

    Sanierungskosten lassen sich beeinflussen – ohne Qualität zu opfern.

    Maßnahmen bündeln: Wenn du das Dach ohnehin öffnest, erneuer gleichzeitig die Elektrik im Dachgeschoss. Wenn Handwerker für die Fassade eingerüstet sind, lass die Fenster im selben Zug tauschen. Eingerüstet und mobilisiert kostet ein Gewerk pro Einheit deutlich weniger.

    Eigenleistung realistisch planen: Malerarbeiten, einfache Bodenverlegung (Laminat, Vinyl) und Abrissarbeiten kannst du selbst übernehmen. Das spart 20–40 % der Arbeitskosten bei diesen Gewerken. Bei Elektrik, Gas, Dach und wasserführenden Leitungen gilt: Finger weg – hier braucht es Fachbetriebe, oft aus versicherungsrechtlichen Gründen.

    Förderung vor Baubeginn beantragen: KfW- und BAFA-Förderungen müssen vor Maßnahmenbeginn beantragt werden. Wer das vergisst, bekommt nichts.

    Off-Saison beauftragen: Handwerker haben im Winter und im frühen Frühjahr oft freie Kapazitäten. Nicht immer möglich, aber wenn dein Zeitplan flexibel ist, kannst du verhandeln.

    Angebote vergleichen: Drei Angebote für jedes Gewerk sind Pflicht. Preisunterschiede von 30–50 % für dieselbe Leistung sind keine Seltenheit.


    Fördermöglichkeiten: Was der Staat bezahlt

    Wer saniert, muss nicht alles selbst finanzieren. Die wichtigsten Programme:

    Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)

    Die BEG bündelt KfW-Kredite und BAFA-Zuschüsse für energetische Sanierungsmaßnahmen. Förderfähig sind:

    • Heizungsanlagen (bis zu 70 % Zuschuss für Wärmepumpen)
    • Fassaden-, Dach- und Kellerdämmung
    • Fenster- und Türentausch
    • Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung

    Der Fördersatz hängt vom gewählten System und der Einkommenshöhe ab. Wer unter 40.000 € zu versteuerndem Haushaltseinkommen liegt, erhält einen Einkommensbonus von 30 Prozentpunkten zusätzlich.

    Wichtig: Vor Maßnahmenbeginn beantragen. Und: Ein zugelassener Energieeffizienz-Experte (EEE) muss die Maßnahmen begleiten – ohne ihn gibt es keine Förderung.

    KfW-Kredit: Energieeffizient Sanieren (261)

    Wenn du mehrere energetische Maßnahmen kombinierst und dabei einen definierten Effizienzhaus-Standard erreichst – also einen bestimmten maximalen Energiebedarf für das gesamte Gebäude –, kannst du über die KfW einen zinsgünstigen Kredit mit Tilgungszuschuss beantragen. Je besser der Effizienzhaus-Standard (z. B. EH 85, EH 70, EH 55 oder EH 40), desto höher der Tilgungszuschuss.

    Beispiel: Erreichst du nach Sanierung den Standard Effizienzhaus 55, erlässt die KfW 15 % des Kreditbetrags – bei 150.000 € Kredit wären das 22.500 € geschenkter Zuschuss.

    BAFA-Förderung für Einzelmaßnahmen

    Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert Einzelmaßnahmen wie Fensteraustausch, Dämmung und Heizungstausch direkt als Zuschuss – ohne Kredit. Der Basisföderersatz liegt bei 15 %, mit Boni für besonders effiziente Systeme oder niedrigere Einkommen deutlich mehr.


    Sanierung finanzieren: Deine Optionen

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