
Kernsanierung Kosten 2026: Was du wirklich einplanen musst

Dr. Marc Rustige
Dr. Marc Rustige ist Co-Founder von Justhome. Seit über 10 Jahren beschäftigt er sich mit der Immobilienkauf und -verkauf im digitalen Zeitalter. Als promovierter Betriebswirt ist dabei insbesondere die Immobilienfinanzierung sein Interessengebiet.
1. Juni 2026Aktualisiert vor etwa 14 StundenLesezeit: 13 Min.
Ein Haus für 150.000 Euro kaufen und für 200.000 Euro kernsanieren – oder doch lieber neu bauen? Wer diese Frage stellt, braucht keine Hochglanz-Kostentabellen, sondern ehrliche Zahlen. Die Kernsanierung Kosten schwanken enorm – und genau das erklärt dieser Artikel: was eine Kernsanierung umfasst, was sie wirklich kostet, welche Überraschungen dich teuer zu stehen kommen können, und wie du das Ganze finanzierst.
Inhaltsverzeichnis
Was ist eine Kernsanierung?
Eine Kernsanierung ist die umfassende Erneuerung eines Gebäudes bis auf die tragende Struktur. Dabei werden Dach, Fassade, Fenster, Heizung, Elektrik, Sanitär und der gesamte Innenausbau erneuert oder grundlegend modernisiert. Der Rohbau bleibt erhalten – alles andere wird auf den neuesten Stand gebracht.
Das unterscheidet die Kernsanierung klar von einer einfachen Renovierung (Streichen, Tapezieren, neuer Bodenbelag) und von einer Teilsanierung, bei der nur einzelne Gewerke angegangen werden – etwa nur die Heizung oder nur das Bad. Bei der Kernsanierung geht es um den Eingriff in die Substanz des Gebäudes, nicht um kosmetische Korrekturen.
Typischerweise gehören folgende Gewerke dazu:
- Dachsanierung und Dachdämmung
- Fassadendämmung und ggf. neuer Außenputz
- Fenstererneuerung und neue Außentüren
- Heizungsanlage (inkl. Rohrleitungen)
- Elektroinstallation (Leitungen, Verteiler, Anschlüsse)
- Sanitär (Wasserversorgung, Abwasser, Bäder)
- Innenausbau (Estrich, Böden, Putz, Decken, Treppe)
Was wird bei einer Kernsanierung gemacht?
Eine Kernsanierung folgt einer logischen Reihenfolge: von außen nach innen, von der Hülle zur Haustechnik, vom Rohbau zum Ausbau. Wer die Reihenfolge ignoriert, zahlt doppelt – zum Beispiel wer eine neue Heizung einbaut, bevor die Dämmung sitzt.
Außenhülle: Dach, Fassade, Fenster und Türen
Die Außenhülle kommt zuerst – immer. Bevor Heizung, Elektrik oder Innenausbau angegangen werden, muss das Gebäude dicht und gedämmt sein. Andernfalls verpufft ein Großteil der Heizleistung durch undichte Wände, ein schlecht gedämmtes Dach oder einfach verglaste Fenster aus den 1970ern.
- Dachsanierung: Neue Eindeckung (Ziegel, Bitumenbahn bei Flachdach), Aufdachdämmung oder Zwischensparrendämmung, ggf. neue Dachgauben oder Dachflächenfenster
- Fassadendämmung: Meistens als WDVS (Wärmedämmverbundsystem) – Dämmplatten werden auf die Außenwand geklebt und verputzt. Bei Denkmalschutz kommt stattdessen eine Innendämmung in Frage, weil Außendämmungen an denkmalgeschützten Gebäuden häufig nicht genehmigt werden.
- Fenster: Austausch gegen moderne Zweifach- oder Dreifachverglasung mit Wärmedämmrahmen
- Außentüren: Neue Haus- und Kellertüren mit zeitgemäßer Wärmedämmung und Einbruchschutz
Haustechnik: Heizung, Elektrik, Sanitär und Lüftung
Hinter den Wänden stecken die häufigsten Kostentreiber bei Altbauten. Veraltete Elektroleitungen aus Aluminium, korrodierte Wasserrohre, eine Ölheizung aus den 1980ern – hier schlummern die Überraschungen, die das Budget sprengen.
- Heizungsanlage: Kompletttausch des Heizkessels, aller Heizkörper oder Flächenheizungen und der Rohrleitungen. Wärmepumpe, Pellets oder Nah-/Fernwärme – die Wahl hängt vom Dämmstandard und der verfügbaren Energiequelle ab.
- Hybridheizung: Eine Kombination aus Wärmepumpe und Gas-Backup-Heizung, die den Kessel nur bei sehr niedrigen Außentemperaturen zuschaltet. Sie ist günstiger in der Anschaffung als eine reine Wärmepumpe, aber langfristig teurer im Betrieb.
- Elektroleitungen: Neue Unterverteilung, alle Leitungen, Steckdosen und Schalter. In Altbauten aus den 1960er und 1970er Jahren fast immer vollständig notwendig.
- Wasserleitungen und Abwasser: Erneuerung der Trinkwasserleitungen (ggf. Bleirohre entfernen), Erneuerung der Abwasserleitungen im Keller.
- Kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL): Bei stark gedämmten Gebäuden sinnvoll oder sogar notwendig, um Schimmelbildung zu vermeiden – ein Posten, der oft vergessen wird.
Der teure Teil: Wenn Leitungen erst freigelegt, Wände aufgestemmt und hinterher wieder geschlossen werden müssen, steigen die Kosten sprunghaft. Das ist keine Ausnahme – das ist Alltag bei Altbauten.
Innenausbau: Böden, Wände, Decken und Treppe
Der Innenausbau kommt zum Schluss – und bietet die größte Kostenspanne des gesamten Projekts. Hier entscheidest du, ob du funktional oder hochwertig ausbauen willst.
- Estrich: Neuer Fließestrich oder Trockenestrich als Basis für alle Bodenbeläge
- Bodenbeläge: Von Laminat (ab ca. 20 €/m²) bis Parkett oder Naturstein (100 €/m² und mehr)
- Putz und Trockenbau: Neue Innenwände, abgehängte Decken, Trockenbauständerwände
- Malerarbeiten: Grundierung, Farbanstriche, ggf. Tapeten
- Treppe: Erneuerung oder Verkleidung der bestehenden Treppe – je nach Zustand und Geschmack
Hier kannst du sparen. Aber hier kannst du auch überraschend viel ausgeben, wenn Wünsche wachsen.
Kernsanierung Kosten: Wie viel musst du wirklich einplanen?
Eine Kernsanierung kostet im Durchschnitt zwischen 800 und 1.600 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Für ein typisches Einfamilienhaus mit 120–150 m² bedeutet das Gesamtkosten von 100.000 bis 240.000 Euro – je nach Zustand des Gebäudes, Umfang der Maßnahmen und regionalen Handwerkerpreisen.
Warum ist die Spanne so groß? Drei Faktoren bestimmen den Preis mehr als alles andere:
1. Gebäudezustand: Ein Haus aus den 1970ern mit trockenem Mauerwerk, intakter Statik und ohne Schadstoffe ist ein anderes Projekt als ein Haus aus den 1950ern mit feuchtem Keller, Asbestdämmplatten und veralteter Elektrik. Schadstoffe allein können den Abriss- und Entsorgungsaufwand um 10.000–30.000 Euro erhöhen.
2. Umfang der Maßnahmen: Wer nur auf Effizienzhaus 70 saniert (= der Energieverbrauch beträgt nur 70 % eines Neubau-Referenzgebäudes), gibt weniger aus als jemand, der auf Effizienzhaus 40 Plus zielt. Was du weglässt, spart Geld kurzfristig, kann aber Fördermittel kosten.
3. Regionale Handwerkerpreise: In München oder Hamburg liegen die Handwerkerkosten deutlich über dem Bundesdurchschnitt. In strukturschwächeren Regionen kann es günstiger werden – wenn du überhaupt Handwerker findest. Zur Handwerkersuche hilft oft die Handwerkskammer vor Ort oder Plattformen, die Gewerke regional vermitteln.
Wichtig: Plane immer einen Puffer von 15–20 % ein. Erfahrene Bauherren kalkulieren diesen Puffer von Anfang an. Bei einer Kernsanierung sind unvorhergesehene Kosten die Regel, nicht die Ausnahme. Wer ohne Puffer startet, gerät mitten im Projekt in Geldnot.
Was kostet 100 qm Kernsanierung?
Bei 100 m² Wohnfläche liegt der Kostenrahmen für eine vollständige Kernsanierung je nach Gebäudezustand und Ausstattungsstandard bei rund 80.000 bis 160.000 Euro. Hinzu kommt der empfohlene Puffer von 15–20 % für unvorhergesehene Kosten.
Drei Szenarien: Best Case, Realistische Kalkulation, Worst Case
Für ein typisches Einfamilienhaus mit 120 m² Wohnfläche, Baujahr 1970er:
| Szenario | Kosten gesamt | Kosten/m² | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| Best Case | ca. 100.000–130.000 € | ca. 830–1.080 €/m² | Guter Grundzustand, keine Schadstoffe, keine feuchten Wände, einfacher Innenausbau, gute Handwerkerpreise |
| Realistisch | ca. 150.000–200.000 € | ca. 1.250–1.670 €/m² | Durchschnittlicher Altbau, Standardausstattung, kleinere Überraschungen (z. B. eine Rohrleitung mehr als erwartet) |
| Worst Case | ca. 220.000–280.000 € | ca. 1.830–2.330 €/m² | Schadstoffe (Asbest, PCB), feuchtes Mauerwerk mit Sanierungsaufwand, hochwertige Ausstattung, Statikprobleme |
Stand: Mai 2026. Diese Werte sind Orientierungsgrößen auf Basis marktüblicher Handwerkerpreise. Die tatsächlichen Kosten hängen von deinem konkreten Gebäude ab – eine Vor-Ort-Begutachtung durch einen Energieberater oder Baugutachter liefert verlässliche Zahlen.
Rechenbeispiel: Ein Musterhaus durchgerechnet
Damit du dir konkret etwas vorstellen kannst: Hier ein fiktives, aber realistisches Beispiel für ein Einfamilienhaus mit 130 m² Wohnfläche, Baujahr 1972, Sanierungsziel Effizienzhaus 70.
| Gewerk | Beispielkosten |
|---|---|
| Dachsanierung (ca. 150 m² Dachfläche) | ca. 18.000–25.000 € |
| Fassadendämmung WDVS (ca. 200 m² Fassade) | ca. 20.000–30.000 € |
| Fenster (12 Stück inkl. Einbau) | ca. 12.000–18.000 € |
| Außentür + Kellertür | ca. 4.000–6.000 € |
| Heizungsanlage (Luft-Wasser-Wärmepumpe) | ca. 18.000–25.000 € |
| Elektroinstallation komplett | ca. 10.000–15.000 € |
| Sanitär (2 Bäder, Standard) | ca. 18.000–28.000 € |
| Innenausbau (Böden, Putz, Malerarbeiten) | ca. 25.000–40.000 € |
| Planungs- und Nebenkosten (ca. 12 %) | ca. 15.000–22.000 € |
| Zwischensumme | ca. 140.000–209.000 € |
| Puffer 15–20 % | ca. 21.000–42.000 € |
| Gesamtrahmen | ca. 161.000–251.000 € |
Rechenbeispiel zur Orientierung. Tatsächliche Kosten hängen von deinem konkreten Gebäude, der Region und dem Ausstattungsstandard ab.
Das zeigt: Selbst im Normalfall ist eine Kernsanierung eines durchschnittlichen Einfamilienhauses ein Sechsstelliges Projekt. Plane auf Basis des realistischen Szenarios, nicht des günstigsten.
Welches Effizienzhausniveau lohnt sich?
Das Effizienzhausniveau entscheidet nicht nur über die Energiekosten nach der Sanierung, sondern auch über die Höhe der KfW-Förderung. Hier ein Überblick:
| Effizienzhausniveau | Bedeutung | Typische Mehrkosten ggü. Basissanierung | KfW-Tilgungszuschuss (Kredit 261) |
|---|---|---|---|
| EH 85 | 85 % des Energiebedarfs eines Neubau-Referenzgebäudes | gering (ca. 5.000–15.000 €) | 5 % |
| EH 70 | 70 % des Referenzgebäudes | mittel (ca. 15.000–30.000 €) | 10 % |
| EH 55 | 55 % des Referenzgebäudes | hoch (ca. 30.000–50.000 €) | 15 % |
| EH 40 | 40 % des Referenzgebäudes – Niedrigenergiehaus | sehr hoch (ca. 50.000–80.000 €) | 20 % |
Stand: Mai 2026. KfW-Förderprogramme wurden seit 2023 mehrfach angepasst – aktuelle Konditionen unbedingt vor Antragstellung auf kfw.de prüfen.
Für die meisten Altbauten aus den 1960er bis 1980er Jahren ist Effizienzhaus 70 der wirtschaftlich sinnvollste Zielstandard. Warum? Der Sprung von EH 85 auf EH 70 kostet überschaubar mehr (ca. 15.000–30.000 € Mehraufwand), bringt aber deutlich mehr Förderung und spürbar niedrigere Heizkosten. Der nächste Schritt auf EH 55 hingegen kostet oft 20.000–30.000 € zusätzlich – und diese Summe holt man über die eingesparte Energie in vielen Fällen nicht zurück. Wer EH 40 anstrebt, tut das meist wegen maximaler Förderung oder wegen eines besonders ambitionierten Energiestandards, nicht wegen der Wirtschaftlichkeit allein.
Kernsanierung Kosten pro m²: Aufschlüsselung nach Gewerk
Die Gesamtkosten einer Kernsanierung entstehen aus vielen Einzelpositionen. Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick, was die einzelnen Gewerke kosten – als Orientierung für deine Planung (Stand: Mai 2026).
| Gewerk | Kosten | Einheit | Preistreiber |
|---|---|---|---|
| Dach (Neueindeckung + Dämmung) | 80–200 € | pro m² Dachfläche | Dachform, Dämmstandard, Material |
| Fassadendämmung (WDVS) | 80–180 € | pro m² Fassadenfläche | Dämmstärke, Putzqualität, Gerüst |
| Fenster (inkl. Einbau) | 500–1.500 € | pro Fenster | Verglasung, Rahmenmaterial, Größe |
| Außentür | 1.500–4.000 € | Stück | Einbruchschutz, Material, Dämmwert |
| Heizungsanlage (Wärmepumpe) | 15.000–30.000 € | Gesamt | Typ, Leistung, Verlegeaufwand |
| Heizungsanlage (Hybridheizung) | 8.000–18.000 € | Gesamt | Kessel, Rohrleitungen, Heizkörper |
| Elektroinstallation (komplett) | 60–120 € | pro m² Wohnfläche | Aufwand für Leitungsverlegung |
| Sanitär / Bad (einfach) | 8.000–15.000 € | pro Bad | Ausstattung, Fliesenwahl |
| Sanitär / Bad (hochwertig) | 15.000–35.000 € | pro Bad | Design, Einbauten, Materialien |
| Innenausbau (einfach) | 150–300 € | pro m² Wohnfläche | Laminat, Dispersionsfarbe, Standardputz |
| Innenausbau (hochwertig) | 300–600 € | pro m² Wohnfläche | Parkett, Kalkputz, individuelle Einbauten |
| Planungs- und Nebenkosten | ca. 10–15 % | der Bausumme | Architekt, Energieberater, Genehmigungen |
Ein Energieberater oder Baugutachter kann dir eine gebäudespezifische Kostenschätzung erstellen – üblicherweise kostet eine solche Vor-Ort-Begehung mit Bericht zwischen 500 und 1.500 Euro. Das ist vor allem sinnvoll, bevor du einen Altbau kaufst oder ein Budget festlegst. Dieser Betrag ist gut investiert: Er kann dich vor einer Fehlinvestition in sechsstelliger Höhe schützen.
Dach und Dachdämmung
Dachsanierungen kosten je nach System und Dämmstandard zwischen 80 und 200 Euro pro Quadratmeter Dachfläche. Ein Satteldach mit Sparrendämmung liegt oft im mittleren Bereich, während eine Aufsparrendämmung (die den Dachstuhl vollständig einbettet und den besten Dämmwert liefert) am oberen Ende liegt. Flachdächer haben andere Anforderungen: Hier geht es um Abdichtung und Aufbau-Dämmung.
Fassadendämmung und Außenwand
Das WDVS (Wärmedämmverbundsystem) kostet je nach Dämmstärke und Putzqualität zwischen 80 und 180 Euro pro Quadratmeter Fassadenfläche – Gerüst inklusive. Bei Denkmalschutz ist eine Außendämmung oft nicht genehmigungsfähig; dann kommt Innendämmung in Frage, die jedoch Wohnfläche kostet und anspruchsvoll auszuführen ist. Ob dein Gebäude unter Denkmalschutz steht, erfährst du beim zuständigen Amt für Denkmalpflege deiner Kommune.
Fenster und Außentüren
Pro Fenster (Standardgröße, Kunststoffrahmen, Dreifachverglasung, inkl. Einbau) rechne mit 700–1.200 Euro. Holz-Alu-Rahmen oder besonders große Formate liegen höher. Die Anzahl der Fenster bestimmt den Gesamtposten stärker als die Wohnfläche – ein älteres Haus mit vielen kleinen Fenstern kann hier günstiger sein als ein moderner Bungalow mit Panoramaverglasung.
Heizungsanlage
Der Heizungstausch ist einer der größten Einzelposten – und seit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) bei Kernsanierungen oft nicht mehr optional. Das GEG schreibt vor, dass neue Heizungen zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Das bedeutet in der Praxis: Wärmepumpe, Pellets, Nah-/Fernwärme oder Hybridlösungen. Für dich als Altbaukäufer heißt das: Plane den Heizungstausch von Anfang an ein – nicht als optionale Maßnahme, sondern als gesetzliche Anforderung bei vollständiger Kernsanierung.
Eine Wärmepumpe (Luft-Wasser) kostet inklusive Installation zwischen 15.000 und 30.000 Euro – vor Förderungen. Eine Pelletheizung liegt ähnlich. Günstigere Hybridlösungen (Kombination aus Wärmepumpe und Gas-Backup) gibt es ab ca. 10.000–15.000 Euro, aber der Betrieb ist auf Dauer teurer. Wenn du mehr darüber erfahren willst, wie Förderungen den Heizungstausch günstiger machen, hilft dir unser Überblick zur KfW-Förderung Wärmepumpe 2026.
Elektroinstallation und Sanitär
In Altbauten aus den 1960er und 1970er Jahren ist eine vollständige Erneuerung der Elektroinstallation fast immer notwendig. Aluminium-Leitungen, veraltete Sicherungskästen ohne FI-Schutzschalter und zu wenige Steckdosen pro Raum sind typische Befunde – und keine, bei denen man sparen sollte. Plane für eine vollständige Elektroerneuerung mit 60–120 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.
Beim Sanitär hängt der Aufwand stark davon ab, wie viele Bäder erneuert werden und wie aufwendig der Neuaufbau ist. Ein einfaches Bad (Dusche, WC, Waschbecken, Standard-Fliesen) liegt bei 8.000–15.000 Euro. Wer auf hochwertige Materialien, ebenerdige Dusche und individuelle Einbauten setzt, kommt schnell auf 20.000–35.000 Euro pro Bad. Dazu kommt die Erneuerung der Trinkwasserleitungen – besonders wenn noch Bleirohre verbaut sind – und der Abwasserleitungen im Keller.
Wie lange dauert eine Kernsanierung?
Eine vollständige Kernsanierung eines Einfamilienhauses dauert in der Regel 6 bis 12 Monate – von der Planung bis zum Einzug. Die reine Bauzeit beträgt üblicherweise 4 bis 8 Monate, je nach Umfang der Maßnahmen und wie gut die Gewerke koordiniert sind.
Musst du ausziehen? In den meisten Fällen ja – zumindest während der Kernphase der Arbeiten. Wenn Wände aufgestemmt werden, Staub und Lärm das Haus dominieren und zeitweise kein Strom oder kein Wasser verfügbar ist, ist ein Bewohnen kaum möglich. Plane deshalb Mietkosten für die Bauzeit als eigenen Posten ein – oder prüfe, ob du temporär bei Familie oder Freunden unterkommen kannst.
Wer die Sanierung in Phasen aufteilt (z. B. erst Außenhülle, dann Haustechnik, dann Innenausbau Zimmer für Zimmer), kann manchmal einen Teil des Hauses bewohnbar halten – aber das verlängert die Bauzeit erheblich und macht die Koordination der Handwerker schwieriger.
Kernsanierung finanzieren: Deine Möglichkeiten
Die Kernsanierung Kosten in dieser Höhe stemmen die wenigsten aus eigener Tasche. Die gute Nachricht: Es gibt eine Kombination aus Förderkrediten, Zuschüssen und klassischer Bankfinanzierung, die das Projekt deutlich erleichtert – wenn du sie richtig kombinierst.
Eigenkapital
Als Faustregel gilt: Mindestens 20–30 % der Gesamtkosten solltest du als Eigenkapital einbringen. Das verbessert die Kreditkonditionen und reduziert das Risiko, wenn unvorhergesehene Kosten auftauchen. Bei einer Kernsanierung für 180.000 Euro bedeutet das: 36.000–54.000 Euro als eigene Mittel – plus der empfohlene Puffer.
KfW-Kredit 261: Bundesförderung für effiziente Gebäude
Der KfW-Kredit 261 (Bundesförderung für effiziente Gebäude, BEG) ist das wichtigste Finanzierungsinstrument für Kernsanierungen. Er bietet:
- Zinsgünstige Darlehen bis zu 150.000 Euro pro Wohneinheit
- Tilgungszuschüsse je nach erreichtem Effizienzhausniveau (5–20 %, s. Tabelle oben)
- Zusätzlich 5 % iSFP-Bonus, wenn du auf Basis eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) vorgehst
Wichtig: Den Förderantrag musst du vor Baubeginn stellen – rückwirkend gibt es keine Förderung. Die Beantragung läuft über deine Hausbank oder direkt über kfw.de.
BAFA-Zuschüsse für Einzelmaßnahmen
Wenn du nicht komplett sanierst, sondern nur einzelne Gewerke angehen willst (z. B. neue Heizung, neue Fenster oder Fassadendämmung), fördert das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) Einzelmaßnahmen im Rahmen der BEG:
- Heizungsförderung (z. B. Wärmepumpe): bis zu 70 % der förderfähigen Kosten (abhängig von Einkommensbonus und Geschwindigkeitsbonus)
- Dämmmaßnahmen, Fenster, Lüftung: 15 % Grundförderung, plus mögliche Boni
Auch hier gilt: Antrag vor Baubeginn.
Modernisierungskredit der Hausbank
Ergänzend zum KfW-Kredit kannst du einen klassischen Modernisierungskredit bei deiner Hausbank aufnehmen. Diese Kredite sind oft flexibler in der Auszahlung, aber in der Regel teurer als KfW-Konditionen. Sie eignen sich gut für den Teil der Kosten, der über die KfW-Förderobergrenze hinausgeht.
Die sinnvollste Kombination
In der Praxis nutzen die meisten Sanierenden eine Kombination: Eigenkapital + KfW-Kredit 261 (mit Tilgungszuschuss) + ggf. BAFA-Zuschuss für spezifische Maßnahmen. Ein Energieberater kann dir helfen, den individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) zu erstellen – das ist nicht nur Voraussetzung für den iSFP-Bonus, sondern strukturiert auch die gesamte Sanierung sinnvoll.
Staatliche Förderungen für die Kernsanierung 2026
Förderungen können die Kosten einer Kernsanierung erheblich senken – aber nur, wenn du sie rechtzeitig beantragst und die richtigen Programme kombinierst. Hier der Überblick:
BEG – Bundesförderung für effiziente Gebäude: Das ist das Dach-Programm, unter dem KfW-Kredit und BAFA-Zuschüsse laufen. Es unterscheidet zwischen Komplettsanierung (KfW, Kredit 261) und Einzelmaßnahmen (BAFA).
iSFP-Bonus: Wer einen individuellen Sanierungsfahrplan erstellt (durch einen zugelassenen Energieberater) und danach saniert, bekommt 5 % Tilgungszuschuss extra auf den KfW-Kredit 261. Der Sanierungsfahrplan selbst ist oft ebenfalls förderfähig.
Steuerliche Absetzbarkeit: Wer sein Eigenheim saniert (und nicht vermietet), kann bis zu 20 % der Sanierungskosten über drei Jahre von der Einkommensteuer absetzen – bis zu 40.000 Euro Steuerersparnis gesamt. Diese Steuerermäßigung gilt alternativ zur BEG-Förderung, nicht zusätzlich dazu. Welche Option günstiger ist, hängt von deiner individuellen Steuersituation ab.
So läuft die Förderung ab:
- Energieberater beauftragen und iSFP erstellen lassen
- Förderantrag stellen (KfW oder BAFA) – vor Vertragsabschluss mit Handwerkern
- Sanierungsmaßnahmen durchführen
- Nachweise einreichen und Auszahlung erhalten
Stand: Mai 2026. Förderprogramme wurden seit 2023 mehrfach angepasst – aktuelle Konditionen auf kfw.de und bafa.de prüfen.
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